Sextourismus auf Mallorca
Wer bei Google nach einschlägigen Internetangeboten zum Thema Mallorca sucht, der kommt ob der Ergebnisse leicht ins Staunen: Von den Seiten diverser Etablissements über “nackte Teens am Ballermann” bis hin zu einem Erotik-Inselführer ist alles nur Vorstellbare (und Unvorstellbare) zum Thema Sex auf Mallorca zu finden. Schon von Deutschland aus einen Termin für die erotische Feriengestaltung mit dem Mädchen seiner Wahl abzumachen, ist zu Zeiten des World Wide Web kein Problem mehr. Die Prostitution ist dank des Tourimus zu einem einträglichen Geschäft geworden. Nach Schätzungen von Experten werden allein auf den Balearen Einnahmen zwischen 300 und 400 Millionen Euro pro Jahr erzielt.
Durchschnittlich über 120.000 Euro pro Prostituierte
Die Sogwirkung des Geldes ist stark: Anfangs waren es Spanierinnen, die sich auf der Straße ihren Obulus verdienten. Dann kamen Südamerikanerinnen, dann illegale Einwanderinnen aus Afrika, und zuletzt Frauen aus Osteuropa im Sommer nach Mallorca, um ein Teil des Kuchens abzubekommen. Heute sind über 80 Prozent der Straßenarbeiterinnen, wie sie selbst sich auf Mallorca oft nennen, Ausländerinnen. Jede der Prostituierten erwirtschaftet im Durchschnitt mehr als 120.000 Euro pro Jahr. Der Großteil des Geldes kommt jedoch auch auf Mallorca nicht bei den Frauen selbst an, sondern bleibt bei Zuhältern und Bordellbesitzern hängen. Trotzdem sind die relativ hohen Einkünfte, die ungelernte Frauen mit dem ältesten Beruf der Welt verdienen, oft auch ein Hinderungsgrund, sich eine andere Arbeit zu suchen: Die Frauen gewöhnen sich schnell an einen höheren Lebensstandard, der mit einem normalen Gehalt nicht aufrechterhalten werden kann. Lenka aus Rumänien erzählt, wie eine Kollegin sich von ihr verabschiedete: “Sie hat vier Jahre als Prostituierte gearbeitet. Irgendwann konnte sie nicht mehr. Sie wollte aufhören, hat sich von allen Kolleginnen verabschiedet. Nach zwei Wochen war sie wieder da, ihr gesamtes Erspartes war alle. Mit einem normalen Gehalt kann man doch hier gar nicht leben.” Doch egal, wie viel die Frauen verdienen – glücklich ist laut einer aktuellen Umfrage kaum eine der Prostituierten mit ihrem Beruf: Nur drei Prozent der insgesamt 2.500 Frauen ist mit ihrer Arbeit zufrieden. Die anderen tun es aus finanzieller Not, viele der Frauen haben Kinder, kaum eine hat einen Schulabschluss. Wer denkt, die Prostitution hat ihren Boom erst mit dem Aufkommen des Massentourismus erlebt, der irrt sich allerdings:
Mit den Soldaten kam der erste Boom
Lange Zeit waren spanische und amerikanische Soldaten, deren Schiffe im Militärhafen von Palma anlegten, die Hauptkundschaft der Huren. Als die Schiffe ausblieben, ging die Prostitution zwar leicht zurück. Doch schnell hat sich die Branche den neuen Zeiten angepasst, und die neuen Medien tragen das ihre dazu bei. Heute werden auf der Insel auch Telefonsex-Hotlines für ganz Europa betrieben und Pornofilme gedreht. Auf die Frage, wie lange sie dieser Tätigkeit noch nachgehen will, winkt Zaira aus Nigeria ab: “Ich habe in meinem Heimatland eine Familie zu ernähren. Die warten auf das Geld, sind darauf angewiesen. Ich kann es mir nicht leisten, aufzuhören.” lex
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