Palmas Polizei: Kassieren statt helfen
Die Anruferin war verzweifelt: “Ich werde von zwei Männern bedroht, die treten immer wieder gegen meine Haustür, bitte kommen Sie schnell”. Bis die Beamten vor Ort eintrafen, vergingen trotz der Gefahr exakt 44 Minuten. Dass der Frau nichts passiert ist, verdankt sie allein dem mutigen Einsatz zweier Nachbarn, die ihr zur Hilfe eilten. Wesentlich schneller reagiert Palmas Polizei, wenn man mal eben im Parkverbot anhält – die Knöllchenvergabe erfolgt in solchen Fällen meist in Rekordzeit. Vor allem in der Innenstadt scheint hinter jeder Ecke schon eine Politesse mit gezücktem Block zu lauern. Im Jahr 2006 konnte das Rathaus so über sieben Millionen Euro einstreichen. Tendenz steigend.
Doch die Millionenbeträge sind den Chefs von Palmas Stadtpolizei nicht genug: Anfang Februar erhielten zahlreiche Polizisten einen mahnenden Brief von ihrer Vorgesetzten Montserrat Vidal. Darin werden die Beamten dazu aufgefordert, in Zukunft mehr Bußgelder zu verhängen, um “…in Bezug auf die Anzahl der ausgestellten Strafzettel… mit ihren Kollegen gleich zu ziehen.” Die Zielvorgabe wurde gleich mitgeliefert: Ein guter Polizist ist in den Augen Vidals nur, wer mindestens 22 Strafzettel pro Tag verteilt. Gewerkschaftsvertreter, die den Brief publik gemacht haben, sind empört. “Ein Beamter, der wenige Strafzettel ausstellt, wird als faul betrachtet”, so Llorenç Roca, Gewerkschaftssprecher der Stadtpolizei. Deswegen befürchten die Gewerkschafter, dass es aufgrund des Mahnbriefes zu ungerechten Behandlungen kommt: “Die Polizisten fühlen sich unter Druck gesetzt. Dieser Mahnbrief wird dafür sorgen, dass Beamte willkürlich Strafzettel ausstellen, ohne die Verkehrssünder vorher zu verwarnen, nur um ihr Soll zu erfüllen”, warnt Pedro Castro, der Beauftragte der spanischen Gewerkschaft Comisión Obrera. Neu ist diese Situation freilich nicht: Schon 2006 hatten die Gewerkschafter die gleichen Zustände in einem Brief an das Rathaus angeprangert. Damals war die Forderung nach Erfüllung des Strafzettelsolls allerdings noch mündlich erfolgt. Mit dem Brief vom 12. Februar liegt nun erstmals ein schriftliches Dokument vor, das die unglaubliche Forderung beweist. Für die beiden Gewerkschafter ist klar: Hier geht es um Geld. Die Leidtragenden sind nicht nur die Bürger, die zur Kasse gebeten werden, sondern auch die abgemahnten Polizisten. “Es kann nicht sein, dass die Leistungen eines Polizisten anhand der verteilten Strafzettel gemessen wird”, so Llorenç Roca.
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