Callboys & Koks auf Staatskosten

Offiziell war er konservativer Vorzeige­poli­tiker, inoffiziell veruntreute er öffentliche Gelder in Bordellen: Javier Rodrigo de Santos, Politiker der Partido Popular (PP), ehemals zweiter Bürger­meister von Palma und Bauamtsleiter, hat für den ersten großen Politskandal des Jahres gesorgt. Über 50.000 Euro soll De Santos für Sex und Kokain mit einer Kreditkarte der Stadt­verwaltung bezahlt haben.

Dass es sich bei seinen Sexpartnern um Callboys handelte, macht die Sache noch pikanter. Die mallorquinische Tageszeitung Ultima Hora berichtete gar über ein Videoband, auf dem der Politiker Verkehr mit mehreren Callboys hat und Kokain schnupfend einen Sodomie-Film be­trachtet. Der verheiratete Vater von fünf Kindern zahlte die veruntreute Summe zwar unmittelbar nach Bekannt­werden der Ermittlungen durch die Staatsanwalt­schaft zurück und begab sich in eine Entzugsklinik auf dem Festland, doch am 11. April muss er vor der zuständigen Richterin auf Mallorca aussagen. Schon jetzt wird spekuliert, er könne auf Unzu­rechnungsfähigkeit wegen Drogensucht plädieren. Doch diese Taktik wird nicht funktionieren: “Wer tagsüber das Bauamt von Palma leitet, kann sich nicht damit herausreden, nachts plötzlich wegen Dro­genabhängigkeit die Trie­be nicht mehr unter Kon­trolle zu haben und sexuelle Dienste mit der städtischen Visa-Karte bezahlen zu müssen”, so heißt es in Justizkreisen.

Kreditkarte von der Stadtverwaltung

Die ersten Ermittlungen brachten jetzt zu Tage, dass der Politiker durchschnittlich dreimal in der Woche Bordelle für Homosexuelle aufsuchte. Bei einigen dieser Besuche zahlte De Santos bis zu 1.500 Euro in einer Nacht mit der Kre­ditkarte des städtischen Bau­unterneh­mens EMOP, dessen Direktor er war. Die Veruntreuung der Steu­er­gelder kam erst ans Licht, nachdem ein privates Wir­schafts­prüfungs­unterneh­men im Auftrag der neuen PSOE-Regier­ung die Fi­nanzen der Stadt Palma unter die Lupe nahm. Die Konsequenzen trägt nicht De Santos allein, dem aller Voraussicht nach eine längere Haftstrafe droht: seine Sekretärin, zwei weitere Mitarbeiter und die ehe­malige Ge­schäfts­füh­re­rin Gloria Pe­nalva, die nach ihrer Ar­beit unter De Santos in das balearische Wirt­schafts­­ministerium ge­wechselt war, mussten wegen “Ver­trau­ens­bruch” in­zwischen ebenfalls ihren Hut nehmen. Alle bisher noch gü­l­tigen Kreditkarten von Stadt­rä­ten wurden eingezogen. Weitere Nachbeben sind übrigens nicht ausgeschlossen: Zahlreiche Zeu­gen haben ausgesagt, dass De Santos bei seinen Bordell-Besuchen nicht immer allein, sondern des Öfteren in Begleitung an­derer Poli­tiker und hoher Beamter war. Der PP-Politiker Rodrigo de Santos war von 2003 bis 2007 stellvertretender Bür­ger­meister von Palma und Ratsherr für Städtebau. Nach dem Regierungs­wech­sel im vergangenen Jahr war er als General­sekretär des Fi­nanz­amtes der Ba­learen tätig. Nachdem die Staatsan­walt­schaft offiziell Ermitt­lungen aufgenommen hatte, legte er sein Amt und seine Par­teimit­glied­schaft bei der PP nieder.

Mitglied der Legionäre Christi

De Santos ist Mitglied der erzkatholischen Ordens­­gemeinschaft “Legionäre Chris­ti” und hat es in seinen Zeiten als zweiter Bür­germeister von Palma übrigens abgelehnt, homosexuelle Paare zu trauen – seine streng katholische Erziehung verbiete ihm dies aus ­Gewissens­gründen.

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