5.000 neue Wohnungen
Die Situation auf Mallorcas Immobilienmarkt ist paradox: Auf der einen Seite stehen immer mehr Wohnungen leer, auf der anderen Seite ist es für Normalverdiener schier unmöglich geworden, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Warum? Noch vor wenigen Jahren war der Bausektor voll ausgelastet, die Nachfrage schien ungebremst. Doch viele Käufer erwarben Immobilien nicht zum Eigengebrauch, sondern als Spekulationsobjekte mit hohen Gewinnerwartungen. Die Preise stiegen immer weiter. Für eine kleine Wohnung in Mallorcas Südwesten fordern die Eigentümer heute oft Mietpreise von bis zu 1.800 Euro und Kaufpreise von über 400.000 Euro, für junge Menschen, Familien oder gar Alleinerziehende sind solche Summen kaum bezahlbar.
Krise im rein spanischen Wohnungsmarkt…
Langsam macht sich diese Erkenntnis auch unter den Bauunternehmern breit. Während in den ersten beiden Monaten des Vorjahres noch je über 1.000 neue Wohnungen gebaut wurden, waren es im Januar und Februar dieses Jahres je knapp 500 ein Rückgang um mehr als 50 Prozent.
Dazu kommt, dass viele Bauunternehmer bereits begonnene Projekte nicht zu Ende führen: Die Bauruinen bleiben unfertig stehen, da Bauträger mit den Zahlungen nicht nachkommen.
Die Folgen auf dem Arbeitsmarkt werden 2009 erwartet, wenn die 2006/2007 begonnenen Bauprojekte fertig gestellt sind. Dann könnten viele Bauarbeiter entlassen werden und ihre Mieten nicht mehr bezahlen.
Damit auch Normalverdiener endlich wieder bezahlbare Wohnungen finden, hat die Inselregierung nun einen “Pakt für würdigen, adäquaten und bezahlbaren Wohnraum” zwischen allen Parteien geschlossen.
Das ehrgeizige Ziel des Paktes sieht vor, 5000 Sozialwohnungen zu bauen. Damit soll nicht nur den Familien und anderen Wohnungssuchenden geholfen werden, sondern auch dem Bausektor, der die Krise deutlich zu spüren kriegt.
Doch wie viel Sinn macht es, bei tausenden leer stehenden Wohnungen weiter 5000 neu zu bauen? Zumindest ein Teil der in Aussicht gestellten Sozialwohnungen soll durch das Aufkaufen nicht abgeschlossener Bauprojekte erfolgen.
Bitter für die Betroffenen: Sie müssen trotz regelmäßiger Einkünfte auf “Sozialwohnungen” ausweichen, da die Preise auf dem freien Markt für sie völlig außer Reichweite liegen. Das hat, je nach Region, auch mit dem Tourismus zu tun. Viele Immobilienbesitzer vermieten ihre Wohnungen lieber teuer in den vier Sommermonaten als günstig über ein ganzes Jahr, die Sommereinkünfte sind einfach höher als eine normale Vermietung.
Auch die Zentralregierung in Madrid will den Bürgern helfen und die Wirtschaft unterstützen. Zapatero und seine neu ernannten Minister haben jetzt einen Soforthilfeplan ins Leben gerufen: Familien und kleine Unternehmen sollen kostenlos die Rückzahlung ihrer Hypotheken verlängern können. Die höheren Zinsen soll der Staat zahlen. Durch die niedrigere monatliche Tilgungsrate verspricht sich der Ministerrat eine Besserung der finanziellen Lage der Familien.
…aber weiterhin große Nachfrage nach Zweitwohnsitzen und Luxusimmobilien
Während der Immobilienmarkt im Bereich der Normalverdiener stagniert, ist die Nachfrage nach Ferienimmobilien und Luxuswohnungen bis heute ungebrochen. Insbesondere die guten Lagen in Palmas Altstadt, in Mallorcas Südwesten und rund um Pollenca bleiben sehr begehrt. Die Krise betrifft vor allem die großen Überbauungen, deren Wohnungen vorzugsweise von spanischen Familien gekauft wurden. Alexandra Wilms
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