"Dann gibt es hier Krieg!"

Wer in Palmas Zigeu­nerviertel Son Banya Drogen kaufen will, muss nicht lange suchen: “Koks gibt es immer in dem Haus, an dem die Laterne brennt”, erklärt ein deutscher Stamm­kunde den Weg. Doch damit soll bald Schluss sein: “Es kann nicht sein, dass in Son Banya eine Wallfahrtstätte für Drogenhandel mit Mitteln der öffentlichen Verwaltung subventioniert wird”, so Palmas stellvertretender Bürgermeister Eberhard Grosske (BLOC).

Laut seinen Plänen soll ab Juli dieses Jahres damit begonnen werden, die Bewohner in verschiedene Stadtteile umzusiedeln. Danach will Grosske das gescheiterte Sozial­bau­proj­ekt aus Francos Zeiten endgültig abreissen lassen. Wenn die dort ansässigen Drogendealer keine “mensch­lichen Schutz­schil­der” mehr haben, so die Hoffnung der Ver­ant­wortlichen, dann könnten sie auch keine Massen­proteste gegen den Abriss mobilisieren. Denn noch haben die Drogen­barone den “Schandfleck für die Stadt” fest in der Hand: Als die Polizei im Dezember letzten Jahres die Zu­fahrtsstrasse in das Getto absperrte, wurden die Be­amten von den Be­wohnern mit Molotow-Cocktails be­worfen. Die Polizisten, die mit Hilfe der Straßen­sperre wenigstens für ein Wochenende den florierenden Handel mit Be­täubungsmittel unterbinden sollten, wurden gar von einem Auto angefahren, das versuchte, die Sperre zu durchbrechen. Doch so einfach, wie Grosske sich das vorstellt, wird es kaum werden. Gabriel Cortés, Sprecher der Nachbarschafts­verei­nigung von Son Banya, äußerte sich in einem Interview mit der Presse­agentur Europa Press ab­lehnend: “Wir leben seit 38 Jahren in Son Banya, wir wollen hier nicht weg. Wir fordern, dass sie das Vier­tel renovieren, die Stras­sen pflastern und Straßen­beleuchtung installieren.” Um die 120 Familien, insgesamt 600 Personen, le­ben in Son Banya. Die Bewohner wollen nicht auf verschiedene Stadtviertel verteilt werden, betrachten sich selbst als gewachsene Gemeinschaft. „Viele hier verdienen ihr Geld als Schrotthändler, das könnten sie in der Stadt nicht mehr machen. Wenn man uns jetzt in Wohnungen einsperrt, ist das so, als sperrten sie uns ins Ge­fängnis“, so Cortés. Seine Bedingungen für einen friedlichen Abzug aus Son Banya sind nicht eben bescheiden: Eine Eigentumswohnung für jede Familie und einen Arbeitsplatz, damit die Nebenkosten der Woh­nung bezahlt werden können. Sollte das Rathaus diese Forderungen nicht erfüllen, stehen bewegte Zeiten ins Haus: “Dann gibt es hier Krieg”, so der Sprecher von Son Banya. Das abgelegene Viertel zwischen Palmas Groß­markt und Son Ferriol wurde 1970 als “karitative Maßnahme” errichtet. Vor­her hatten die Zigeu­ner­clans in einem selbstgebauten Hüttendorf gelebt, das jedoch dem Bau der Flughafenautobahn weichen musste. Doch diese Maßnahme des Franco-Regimes stellte sich bald als Fehler heraus: Durch die Gettoisierung entstand in dem Viertel eine Paral­lelgesellschaft, in der die Polizei bis heute Recht und Gesetz kaum durchsetzen kann.

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