Eigene Amtssprache für jede Insel

Jetzt ist es offiziell: Car­­los Delgado will der nächste Balearen­prä­si­dent werden. Um das zu erreichen, bringt sich der PP-Bürgermeister von Cal­­vià daher mit allen Mit­teln ins Gespräch – je populis­tischer, je besser. Auf der eigens eingerichteten Internetseite www. porbalear.com verlangt der Politiker jetzt die Än­derung des Autono­mie­statuts der In­seln, das bisher Katalan und Cas­tellano als gleichberechtigte offizielle Sprachen der Ba­learen nennt. Geht es nach dem Willen Del­ga­dos, soll es statt des Katalans in Zukunft gleich drei Amts­sprachen ge­ben: Mallor­quin, Menor­quin und Ibi­cenco.

Unterschiedliche Schulbücher für jede Insel

In Punkt zwei seines Maßnahmenkatalogs fordert der Volksvertreter, dass Eltern frei entscheiden können, in welcher Spra­che ihr Kind unterrichtet wird. Damit dies problemlos möglich ist, soll es künftig auch Schulbücher in den drei “Sprachen” Mallorquin, Menorquin und Ibicenco geben. Wird Delgados Initiative tatsächlich durchgesetzt, droht den Inseln das endgültige Sprachchaos. Op­fer der lokalpatriotischen Idee wären vor allem die heutigen Schulkinder. Sie wären in ihrem späteren Berufs­leben nicht mal mehr in der Lage, ohne Probleme auf einer der Nachbar­inseln oder in Barcelona zu arbeiten, da sie nur noch ihre eigene “Sprache” korrekt schreiben könnten.

Hat Delgado das Grundprinzip von Sprachen verstanden?

Hat Delgado das Grund­prinzip von Sprachen verstanden? Sprache verwendet man für verbale Kom­munikation. Diese kann aber nur dann erfolgreich sein, wenn beide Gesprächs­partner dieselbe Sprache sprechen und sich gegenseitig verstehen. Und das scheitert auf Mallorca durch die vielen Dialekte zum Teil schon jetzt. Tatsächlich spricht man dasselbe katalanische Wort zum Beispiel in Sóller vollkommen anders aus als in Palma. So kommt es auch, dass viele Mallorquiner, die seit frühester Kindheit nur den Inseldialekt sprechen, bei den offiziellen Katalan-Prüfungen durchfallen. Die Kon­sequenzen der leidenschaftlichen Regio­nalisie­rung der Sprache für Beruf und Karriere sind verheerend. Sollte Delgado, der vor den letzten Wahlen noch nichts mit den Nationalisten zu tun haben wollte, für seinen Sinneswandel Unter­stützer finden, dann müssten in zehn Jahren Be­sucher aus Menorca ein Wörterbuch mitnehmen, um die Mal­lor­quiner zu verstehen. Dabei rudern zur Zeit sogar die extremen Ka­talan-Verfechter der aktu­ellen Regierung vorsichtig zurück: Sie wollen jetzt doch Englisch als Un­terrichts­sprache wieder er­lauben. Zunächst zwar nur für die geringe Anzahl von 101 Schulen, und wenn es nach der zuständigen Mi­nis­terin Barbara Galmes (PSOE) geht, auch nur in den Fächern Sport, Musik und Kunst. Aber immerhin: Die Worte “run”, “sing” und “paint” dürften den Schülern dann zumindest geläufig sein.

Englisch nicht auf Kosten von Katalan

Doch schon erhitzen sich die Gemüter erneut, denn der Unterricht auf Eng­lisch soll auf keinen Fall die Zahl der Unterrichts­stunden auf Katalan reduzieren. Das dürfte zumindest an den öffentlichen Schulen schwierig werden: Schließlich haben diese erst vergangenes Jahr den kompletten Unterricht auf Katalan umgestellt.

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