Werden Sie einfach Weltbürger!

Schon seit vielen Jahren schreibt einer der be­kanntesten Kolumnisten des Diario de Mallor­ca deutschenfeindliche Artikel. An­fangs dachte ich, es wäre seine Überzeugung. Doch als er eines Tages wieder titelte: “Ein Deutscher kauft Mallorcas größte Finca” und auf mehreren Spalten über die Kultur der Teutonen klagte, griff ich zum Telefon, um ihn anzurufen.

Ich fragte ihn: “Warum schüren Sie immer wieder den Ausländerhass? Wa­rum schreiben Sie nie “Ein Mallorquiner verkauft die größte Finca Mallorcas” statt “Ein Deutscher kauft...”? Der Kolumnist antwortete mir überraschend ehrlich: “Sie sind doch auch Jour­nalist. Sie wissen doch, wir müssen das schreiben, was die Leute hören wollen.” Dass jemand nur für seine Karriere Aus­länderfeind­lich­keit schürt, hat mich beinahe noch mehr geschockt, als ein Überzeugungstäter. Vor einigen Tagen hat der Meinungsmacher in einem Artikel über Air Berlin und Katalan erneut zugeschlagen: “Ich war immer gegen die Integration der Deut­schen, die sich die Insel aneigenen, indem sie skandalöse Preise be­zahlen. Doch zum Aus­gleich zöge ich es vor, dass die Deutschen nicht versuchen, mich zu integrieren. Sie haben un­sere Kultur nicht verbessert, weder in Bildung noch in Hygiene…” schrieb der Mann in seiner Kolumne. Lieber Herr Kollege! Nie­mand möchte Sie integrieren oder gar zivilisieren. Die meisten meiner Lands­leute kennen Sie gar nicht! Aber eine Bitte hätte ich doch: Hören Sie auf, Vorurteile gegen ein ganzes Volk zu schüren. Verall­gemei­ner­ung ist eine der schlimmsten Waffen der Populisten. Wir Deutschen sind so unterschiedlich und vielfältig wie jede andere Nation. Die Mehrheit ist unvermögend, weit davon entfernt, ihr Haus zu kaufen (oder es sich von einem Mallor­quiner verkaufen zu lassen) und überglücklich, einmal im Jahr überhaupt das Geld für einen Urlaub zusammenzubekommen. Sie fragen in Ihrem Artikel außerdem, ob ein Türke in Deutschland so über die Deutschen schreiben dür­fte, wie Air Berlin-Chef Hunold in seinem Bord­magazin über die Bale­aren­­regierung ge­schrie­ben hat. Um es kurz zu machen: Ja, er darf! Die Mehrheit der Deut­schen interessiert zum Glück nicht mehr die Nationalität eines Schreibers, sondern allein der Inhalt eines Artikels. Die Gesellschaft in Deutsch­­land verlangt von den tür­kischen Mitbürgern in Deutsch­­land übrigens auch nicht, dass sie Deutsch oder eine Regional­sprache wie Frie­sisch lernen müssen, um eine Firma zu betreiben. Die große Mehr­heit der Deut­schen ist bei dem Thema Sprache sehr entspannt. Komiker mit stark türkischem oder holländischem Dialekt sind im Fernsehen sehr beliebt und gelten als besonders symphatisch. Nur umgekehrt ist die Öffent­lichkeit in Deutsch­land zum Glück sehr sensibel: Wenn ein Jour­nalist in Deutschland schriebe, dass er gegen die Inte­gration der Türken sei, würde man ihn sofort in die rechte Ecke stellen. Warum hören Sie nicht mit Ihrer anti-deutschen Pole­mik auf und werben stattdessen für eine Ver­stän­digung der Kul­turen, da­mit wir alle auf dieser Insel in Frieden miteinander Leben können? Meine Em­p­feh­lung: Verges­sen Sie die Na­tio­nalitäten und wer­den Sie Weltbürger! Das ist ein wunderbares Gefühl! Clemens Heidel

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