Kilmawandel:
Schlecht für den Tourismus

Estrella Ro­dri­guez ist Expertin für Umwelt­fra­gen des balearischen Unternehmer­ver­bands (CAEB). Die Biologin er­forscht die Auswir­kungen des Klimawandels auf Mallorcas Umwelt und die Inselwirtschaft. Was der Temperaturanstieg für Mal­lorca bedeutet, verrät Ro­driguez im Interview.

El Aviso: Frau Rodriguez, spüren wir die Aus­wir­kungen des Klimawandels auf Mallorca tatsächlich schon, oder handelt es sich nur um Wetterka­priolen? Rodriguez: Auf jeden Fall. Die Tempera­turen sind in nur zehn Jahren um durchschnittlich 1,5 Grad Cel­sius angestiegen. Neben Hitze­per­io­den erwartet uns in Zu­kunft vermutlich häufiger ein solch atypisches Wetter wie im verregneten Mai dieses Jahres. Solche Temperaturumschwünge lassen sich zwar nicht vollständig auf den Klima­wandel zurückführen, sie werden aber durch den Treibhauseffekt verstärkt. Sie arbeiten als Umwelt­schützerin für einen Un­ternehmerverband. Ist das nicht ungewöhnlich? Unvorhersehbares Wetter ist schlecht für den Tou­rismus. Ein Rückgang der Touristenzahlen bringt wie­derum finanzielle Ein­bußen mit sich. So spinnt sich der Faden immer weiter. Welche Veränderungen in der Tier- oder Pflanzen­welt bemerken Sie? Die Quallen vor den Küs­ten zum Beispiel werden durch das wärmere Was­ser zur Plage. Auch diese Entwicklung ist schlecht für den Tourismus. Im letzten Jahr wurde die Insel von starken Stürmen heim­gesucht. Müssen wir bald mit Wirbelstürmen, wie sie in den USA vorkommen, rechnen? So stark wie ein Hurrican werden die Stürme hier auf absehbare Zeit wohl nicht. Sollten wir den Kli­ma­wandel aber nicht aufhalten, verstärken sich die Stürme auch im Mittel­meer. Spanien ist der schlimmste Klimasünder Europas. Trägt die Balearenre­gie­rung zur Verbes­ser­ung der Situation bei? Im Rahmen der Agenda 21 zur Erreichung von Um­welt­zielen hat die Regier­ung ein Projekt namens “Null CO2” initiiert. Die­ses Projekt fördert sofortiges Handeln in Bezug auf den Klimaschutz in allen Sek­toren der Gesellschaft: Un­ternehmen, öffentliche Ver­waltungen, Vereinigun­gen und Einzelpersonen. Aus­ser­dem wurde zum Bei­spiel eine Ökoprüfung von allen öffentlichen Ge­bäu­den angeordnet. Fak­toren wie der Wasser- und Ener­gie­verbrauch sowie der CO2-Ausstoß werden da­bei kontrolliert. Trotzdem wird Mallorcas Strom noch in Diesel­kraft­werken produziert… Durch neue Erdgasleit­un­gen sollen die Abgas­emis­sionen aus der Elek­tri­zi­tätsproduktion reduziert werden. Auch der Bau einer alternativen Ener­giepro­duk­tionsanlage ist geplant. Wer Solaren­ergie erzeugt, verbreitet oder nutzt, erhält schon jetzt von der Re­gierung Subventionen. Und was unternimmt Ihre Vereinigung für den Um­weltschutz? Wir entwickeln unter an­derem gemeinsam mit Un­ternehmen verschiedener Sektoren Leitlinien, die da­bei helfen, umweltschädliches Handeln zu vermeiden und die durch gezielte Vor­gaben zum umweltfreundlichen und verantwortungsvollen Han­­deln anleiten. So schön sich das anhört, werden die geplanten Maß­nahmen wirklich umgesetzt? Ja und nein. Das Maß­nahmenpaket reicht von leicht realisierbaren Ideen, wie das Ersetzen der Plas­tiktüten im Super­markt, bis hin zu Neuer­ungen, die aufgrund hoher Kosten nur schwer umzusetzen sind. Dazu zählt beispielsweise die Umstel­lung des Trans­port­sys­tems, damit mehr Men­schen auf ihr Auto verzichten und öffent­liche Ver­kehrs­mittel nutzen kön­nen. Für teure Maßnah­men fehlt oft das Budget, das ist natürlich ein Pro­blem. Und die Inselbewohner? Hat man als normaler Ver­braucher überhaupt Ein­fluß auf die Erd­erwär­mung? Man kann es nicht oft genug wiederholen: Den Ausstoß von CO2 kann jeder aktiv reduzieren. Die Wasch­maschine sollte man zum Beispiel nur laufen lassen, wenn sie voll ist und einfach einen Wasch­gang zurückschalten oder statt bei 40 Grad bei 30 Grad waschen. Sie können das Auto stehen lassen und mit dem Fahr­rad zu Freun­den fahren, wenn der Weg nicht zu weit ist. Auch korrekte Mülltrennung ist ein wichtiger Beitrag. Und die­jenigen, die ein Haus bau­en, können über Photo­vol­taik­zellen auf dem Dach Sonnenenergie nutzen. Es gibt viele Dinge, die jeder tun kann.

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