Schwarze Schafe
zerstören Mallorcas guten Ruf

Familie Schaumann wird nie wieder auf Mallorca Urlaub machen. Das Ehe­paar hatte in vier aufeinander folgenden Jahren teure Fin­cas gemietet – und die Enttäuschung wuchs von Jahr zu Jahr. Das erste Ferienhaus für 2.200 Euro pro Woche in Cala San Vicente bestach neben einer ärmlichen Einrich­tung vor allem durch bestialischen Gestank aus der hauseigenen Sickergrube. Die Beschwer­de über die üblen Gerüche beantwortete der Fincavermieter lapidar mit der Aussage, Ge­rüche aus der Sicker­grube seien “landestypisch”.

Antwort eines Finca­vermieters: “Gerüche aus der Sickergrube sind landestypisch”

Im nächsten Jahr buchten die Schaumanns eine Fin­ca in der Nähe von Inca. “Herrlich ruhig“ stand in der Objektbeschreibung auf der Homepage des Fin­cavermieters. Ein kleines Detail hatte der Anbieter allerdings verschwiegen: Die Finca lag in unmittelbarer Nähe eines Stein­bruchs – statt Natur und Idylle gab es ständigen LKW-Verkehr und ohrenbetäubenden Lärm von Baggern und Bohrern. Die dreiste Entschuldigung des Finca-Vermieters: Der Stein­­­bruch sei angeblich “ganz neu“. Doch die Schaumanns wollten der Insel noch eine Chance geben. Das dritte Ferienhaus lag wunderschön, direkt am Ufer in der Bucht von Porto Pedro. Eigentlich perfekt, wäre da nicht die Großbau­stelle gewesen. In gerade Mal hundert Metern Ent­fernung wurden neue Hotelanlagen mit über 600 Betten hochgezogen. An Erholung war zwischen Pressluftgehämmer und Baggern nicht zu denken. wurde. Das vierte Haus direkt an der Steilküste bei Santanyi lag zwar nicht neben einer Baustelle, war aber äußerst baufällig: Zwei Wochen nach der Abreise der Fa­milie lehnte sich im selben Haus ein britischer Tourist gegen die Balkon­brüstung, die daraufhin abknickte – der Mann starb noch am Unfallort.

600 Urlauber befragt – die Unfragewerte werden schlechter

Laut, dreckig und teuer – immer mehr Urlauber ha­ben das Gefühl, auf Mal­lorca vor allem von dreis­ten Geschäfte­mach­ern ab­gezockt zu werden. Nach Meinung vieler Urlauber ist Mallorca inzwischen weit davon entfernt, ein touristisches Traumziel zu sein. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der Fun­dación Gadeso, bei der 600 Urlauber in den Badeorten Playa de Palma, Palma Nova, Magaluf, Bahía de Alcudia, Cala Millor und Cala Ratjada befragt wurden. Die allgemeine Zu­frieden­heit mit dem Ur­laubsziel liegt danach nur noch bei 5,42 von möglichen zehn Punkten. Wäh­rend die Unterkünfte mit sieben Punkten eine posi­tive Bewertung erhielten, lassen vor allem die As­pekte Umwelt und öffentliche Dienstleistungen in den Augen der Insel­be­sucher zu wünschen übrig. Besonders schlimm: Fast alle Umfragewerte haben sich im Vergleich zu den letzten beiden Jahren verschlechtert. Der öffentliche Nahverkehr, von dem immer mehr Touristen Gebrauch machen, kulturelle Veranstaltungen und die allgemeine Sicherheit sind nach Ansicht vieler deutlich ausbaufähig. Als besonders negativ empfanden die Touristen das Preis-Leistungs­verhäl­tnis in Bars und Restaur­ants außerhalb der Hotels. Im Bereich Umwelt und Natur vermissen die Ur­lauber Sauberkeit, sind unzufrieden mit dem zu­nehmend verbauten Land­schaftsbild und empfinden insbesondere die akustische Umweltver­schmut­zung als störend. Es gibt aber auch gute Nachrichten: Mit ihrer Un­terkunft sind vor allem Gäste von Landhotels und Agroturimos besonders zu­frieden, sie erteilten mit 7,8 und 7,9 Punkten die positivste Bewertung der gesamten Umfrage.

Falsche Beschreibungen im Internet

Wer seine Ferien in Apart­ments und Ferien­häu­sern verbrachte, war hingegen nicht ganz so zufrieden. Vor allem der Unterschied zwischen der Beschrei­bung in den Infor­mationen des Reise­ver­anstalters und dem tatsächlichem Zu­stand oder der Lage der Häu­ser ver­ärgern viele Gäste. Hauptmotivation für einen Mallorca-Urlaub sind mit 46,3 Prozent immer noch Strand und Sonne. Jeder vierte hat sich wegen des Preises für Insel-Ferien entschieden. Die traurige Konsequenz unter der zunehmenden Unzufriedenheit: Auch die Treue zur Insel leidet. Wäh­­r­end 2006 noch 61,2 Pro­zent aller Befragten auch im nächsten Jahr wiederkommen wollten, sind es dieses Jahr nur noch 53,4. Höchste Zeit also für den Touris­mus­sektor, die Urlauber wieder besser zu behandeln. Alexandra Wilms

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