Hoteliers fordern Liste britischer Sauftouristen

Die Schilder sind zwar in schlechtem Deutsch gehalten, doch sie sprechen Bände: “Bei dritten Ver­gehen der Ruhestörung ervolgt Ver­weis aus Hotel” oder “Nich springen von die Balkon”, werden viele Ur­lauber an der Playa de Pal­ma schon in der Hotelhalle vorgewarnt. Doch während in Arenal, dem deutschen Ghetto der Sauftouristen, die Gäste des Lesens anscheinend noch mächtig sind, glauben die Hoteliers am anderen Ende der Bucht von Palma nicht mehr an die Wirkung solcher Warnungen.

Palmano­va und “Shagaluf”, wie Ma­galuf unter partywütigen jungen Briten genannt wird, sind die englischen Ent­sprechungen zum deutschen Arenal, und wer je in der Hauptsaison die “Punta Ballena” genannte Ausgeh­meile entlang gefahren ist, der weiss: Im Vergleich mit britischen Partyurlau­bern sind deutsche Ballermänner ungefähr so harmlos wie die Sesamstraße. Das belegen nun auch die Ergebnisse einer englischen Studie. Forscher der Uni­versität von Liverpool be­fragten im vergangenen Sommer am Flughafen von Palma junge Urlauber vor der Rückreise zu ihren Fe­rienerlebnissen. Während von den befragten deutschen Jugend­lichen immerhin drei Pro­zent im Ur­laubsort in eine Prügelei verwickelt waren, waren es bei den Briten sieben Prozent. Vor allem in Sachen Alko­hol- und Drogenkon­sum liegen die britischen 16- bis 35jährigen weit vor deutschen oder gar spanischen Urlaubern ihrer Alterklasse: Sechzig Prozent der jungen Englän­der gaben an, fünf der sieben Urlaubsnächte im Voll­rausch verbracht zu ha­ben. Ungefähr 13 Prozent konsumieren während des Auf­ent­halts Ecsta­sy oder Kokain. Das exzessive Trinken führt zu aggressivem Verhalten, unter dem nicht nur Miturlauber, sondern auch Hotelbetreiber leiden. Allein in Magaluf werden jede Woche zwei bis drei Urlauber vor die Tür gesetzt. Der Hotelier­ver­band von Pal­ma­nova und Magaluf will deshalb jetzt ein Register für Krawall-Tou­risten einrichten: Wer sich in einem der Hotels der Zone so schlecht benimmt, dass er des Hauses verwiesen wird, soll in keinem anderen Hotel vor Ort mehr ein Zimmer bekommen. Die Liste ist zwar datenschutzrechtlich äusserst be­denk­lich, aber das scheint den Hoteliers vorerst egal: “Be­trunkene Randa­lierer brin­gen uns nicht nur viel Ärger ein, sondern verschrecken auch Familien, die im nächsten Jahr vielleicht ein ruhigeres und sichereres Ur­laubs­ziel wählen werden”, so einer der betroffenen Ho­tel­direk­tor­en. Wie schlimm die Si­tuation ist, zeigt eine andere Zahl. Allein im Sommer 2007 wurden in Spanien 2032 britische Ur­lauber fest­genommen, ein Drittel mehr als noch im Jahr davor. Alkohol spielte bei fast allen Festnahmen eine Rolle. Die Zahlen stammen übrigens vom britischen Aussen­min­isterium.
Alexandra Wilms

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