Banken räumen erste Wohnungen

Nicht alle Branchen leiden unter der Krise, ganz im Gegenteil: Für Schuldeneintreiber laufen die Geschäfte gerade richtig gut. Während Zahlungs­unfähige in Deutschland immer häufiger Besuch von muskelbepackten Osteuro­päern be­kom­men, wird in Spanien auf die Androhung von Gewalt verzichtet: Der nationale Marktführer “Co­brador del Frac” (“Eintreiber im Frack”) verfolgt säumige Schuldner auf Schritt und Tritt. Und alle, die den Mann mit Zylinder und Frack sehen, wissen genau: Da bezahlt einer seine Schul­den nicht.

Während die Firma auf Mal­lorca bisher eher sporadisch Aufträge erfüllte, spielen die Geschäfts­füh­rer jetzt bereits mit der Idee einer eigenen Zweig­stelle auf der Insel, denn die Zahl der Schuldner steigt mittlerweile täglich. Erste Banken beginnen be­reits mit Zwangsräu­mun­gen von Wohnungen, viele Fa­milien können die gestiegenen Hypothekenraten nicht mehr begleichen. Das liegt vor allem am flexiblen Zins­satz, der bei spanischen Hypotheken an den Euribor gebunden ist (dem Zinssatz für Termingelder in Euro). Dieser hat sich seit 2005 verdoppelt. In spanischen Fa­milien arbeiten deshalb seit einigen Jahren fast immer beide Ehe­partner, das Ge­halt des einen deckt die Raten, der andere bezahlt für Lebensmittel und andere Lebenshal­tungskos­ten. Doch der Euribor ist nicht das einzige Problem: Auch die gestiegene Arbeits­losig­keit trägt zur Zahlungs­unfähigkeit vieler Familien bei. Mit der Arbeitslosen­hilfe (die nur diejenigen kriegen, die mindestens ein halbes Jahr lang in die Sozialkassen eingezahlt ha­ben) sind die Hypo­the­ken­raten nicht mehr zu be­zahlen. Zwar versuchen die Banken zunächst, mit den säumigen Wohnungsinhabern neue Zahlungskonditionen zu ver­handeln. Wenn aber ab­sehbar ist, dass die Schulden nicht bezahlt werden können, kommt die Zwangs­räumung. Experten rechnen damit, dass die Zahl der Zwangs­räumungen im kommenden Jahr auf vier Prozent ansteigen wird, hunderte Fa­milien wären auf den Inseln betroffen.

Wohin gehen, wenn das Geld weg ist?

Ein Desaster: In vielen Fällen werden die Fa­milien sich auch keine Wohnung mehr mieten können, denn nicht einmal das Geld für eine Kaution ist mehr vorhanden. Immigranten sind von dieser Entwicklung noch härter Betroffen als Einheimische: Während bei den Inselbewohnern oft Familienmitglieder un­terstützend einspringen können, haben Einwan­derer diesen finanziellen Rückhalt nicht. Von der Zwangsräumung sind übrigens nicht nur Privatwohnungen betroffen: Auch Ladengeschäfte und ganze Gebäude mit nicht verkauften Wohnun­gen wer­den von den Ban­ken einkassiert. Die sind über diese Entwick­lung auch nicht glücklich: „Wir sind keine Immo­bi­lien­makler, der Verkauf solcher Wohnungen kostet Zeit und Personal“, jammert ein Banker im Ge­spräch – auf hohem Niveau.

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