Schmiergeld in der Karibik versteckt
Schon wieder erschüttert ein Korruptionsfall Mallorcas Politik: Ausgerechnet der Sprecher der nationalistischen Union Mallorquina Bartomeu Vicens steht unter Verdacht, mehrere hundertausend Euro Schmiergeld kassiert zu haben. Das Geld investierte der rechtskonservative Regierungspolitiker laut El Mundo in Luxuslimousinen, teure Immobilien und eine dubiose Geldanlage auf den karibischen Kaiman-Inseln. Weil der Staatsanwalt inzwischen bis zu fünf Jahre Gefängnis fordert, könnte die Affäre das Ende der bestehenden Balearenregierung bedeuten. Denn Vicens ist Abgeordneter und ohne seine Stimme (aus dem Gefängis ist eine Teilnahme an Parlamentsabstimmungen nicht möglich) fehlt der Regierung die Mehrheit. Doch es kommt noch schlimmer...
Nicht nur Bartomeu Vicens ist in den Korruptionsfall verwickelt, auch der neue Tourismusminister Miquel Nadal (ebenfalls UM) besitzt laut El Mundo Anteile einer wahrscheinlich zur Geldwäsche verwendeten Sociedad des Angeklagten. Eine Mitwisserschaft konnte dem Minister aber bisher nicht nachgewiesen werden.
Wie haben Vicens & Konsorten das Geld bekommen?
Das Gewerbegebiet Son Oms in der Nähe des Flughafens, in dem unter anderem der Autoverleiher Sixt seinen Sitz hat, ist Ende der neunziger Jahre unter fragwürdigen Umständen zustande gekommen. Auf dem Gelände des heutigen Industriegebietes standen damals noch ein paar Mandelbäume, der Rest war Ackerland, also billige landwirtschaftliche Nutzfläche ohne jede Baugenehmigung. Da war es äusserst praktisch, dass der Angeklagte in dieser Zeit Inselrat für Raumnutzung war. Den damaligen Besitzern der Grundstücke versprach der Politiker, sich für die Umdeklarierung einzusetzen – im Gegenzug verlangte er 15 Prozent der jeweiligen Gelände. Vicens und ein weiteres UM-Mitglied wurden auf diese Weise zu den Hauptbesitzern des Ackerlandes und erzielten nach der Umdeklarieerung zum Industriegebiet beim Verkauf horrende Gewinne. Auch Maria Antonia Munar, Parlamentspräsidentin und ehemalige UM-Vorsitzende, könnte in den Fall verwickelt sein: Sie war damals als Politikerin für die Entscheidung zur Umdeklarierung der Grundstücke mitverantwortlich. Zeugen sagen aus, dass auch sie die Besitzer der Grundstücke “bearbeitet” haben soll. Eine direkte Beteiligung ist ihr aber bis heute nicht nachzuweisen.
Mit Toten auf Reisen
Auch andere UM-Politiker haben Ärger mit der Staatsanwaltschaft: Inselrätin Dolca Mulet nutzte unter anderem die Identitäten von Verstorbenen, um stark überhöhte Reisezuschüsse zu kassieren. Doch der Prozeß gegen die Nationalistin wurde ausgerechnet von dem mit ihr offiziell befreundeten Richter Pedro Barceló geführt. Das schnell gefällte Urteil überraschte die Beobachter nicht: Die reiselustige Politikerin wurde von allen Vorwürfen freigesprochen. Der für Korruption zuständige Staatsanwalt Joan Carrau rügte den Richter öffentlich dafür und setzt sich nun zum Glück für die Wiederaufnahme des Verfahrens gegen die dreiste Dame ein.
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