Catalán-Pflicht: Mallorca von Ärztemangel bedroht

Gibt es auf Mallorca schon bald einen akuten Ärztemangel? Geht es nach dem Willen der linksnationalen Ba­le­aren­re­gie­rung, müssen ab 2010 alle Ärzte, Pfleger und Kran­kenschwes­tern im öf­fent­lichen Ge­sund­heits­sys­tem gute bis sehr gute Catalán-Kennt­nisse vorweisen. Wer die staatliche Prüfung nicht besteht, verliert seinen Job.

Wenn Gesund­heitsminister Vicenç Tho­màs (PSOE) allein entscheiden könnte, wäre die Verordnung schon längst in Kraft. Allein die energischen Proteste von über 1.000 Kranken­schwes­tern, Pflegern und Ärzten haben den Minister und seine Regierungskollegen gezwungen, das Inkraft­treten der Regelung um zwei Jahre zu verschieben. An der Demonstration ge­gen die Catalán-Pflicht nahmen auch viele mallorquinische Ärzte teil: “Ich bin hier aus Solidarität mit meinen Kollegen”, erklärt der Medi­ziner Dr. Matiás C. “Mir gefällt es einfach nicht, dass irgendjemand gezwungen wird, eine Sprache zu sprechen”, so der Arzt. Die Andalusier Luis F. und Octavio G. arbeiten als Krank­en­pfleger auf Mallor­ca. Beide überlegen jetzt, wieder in ihre südspanische Heimat zurückzukehren. “Wir verdienen in diesem Job nicht gerade viel, die Arbeit ist hart. Und dann wollen sie uns auch noch zwingen, eine neue Sprache zu lernen? Sollen die Nati­onalis­ten doch ihre ei­genen Kinder zu Kranken­pflegern ausbilden lassen”. Auch die Partido Popular protestiert gegen das De­kret. Aina Castillo, Ex-Gesund­heits­ministerin un­ter der PP-Vorgän­ger­re­gie­rung, will Catalán-Kennt­nisse höchstens als Zusatz­qualifikation bei Bewer­bungen anerkennen, nicht aber als Min­destvor­aus­set­zung für die harte Arbeit. “Im Gesund­heits­wesen kommt es in erster Linie darauf an, dass die Ärzte und Schwestern die bestmögliche fachliche Ver­sorgung leisten, in welcher Sprache sie das tun, ist relativ egal”, so Castillo. Aber auch die Gegenseite ist für ihr Anliegen auf die Strasse gegangen. Etwa 300 Men­schen forderten am Tag nach der großen Mediziner-Demonstration ihr Recht auf Behandlung “in unserer Sprache” ein.

Stockholm wirbt um Insel-Mediziner

Weil die Balearen qualifizierte Ärzte durch den Zwang zum Catalán abschrecken, hat Schweden die Gelegen­heit genutzt, den Insel-Medi­zinern ein verlockendes An­gebot zu machen: “Schwe­disch­-Kennt­­nisse werden bei uns weder als Einstellungs­kri­terium verlangt, noch muss man die Sprache erlernen. Ein gutes Englisch reicht vollkommen aus”, erklärte ein schwedischer Re­gierungs­sprecher vor we­nigen Tagen. Die schwedische Regierung wirbt gezielt um spanische Ärzte, allein in Stockholm sind derzeit 150 Stellen zu vergeben.

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