Kampf den Wilderern
Glaubt man den Wissenschaftlern, sind die Gewässer rund um die Balearen die letzte Hoffnung für den roten Thunfisch. Insbesondere die südlichen Regionen der Inseln sind eines der wichtigsten Laichgebiete für den meistbegehrten Fisch der Welt.
Dass die Bestände des roten Thunfischs jahrzehntelang überfischt wurden, hat vor allem mit dem kurzfristigen Gewinndenken der Fischereiindustrie zu tun. Denn im Hauptabnehmerland Japan erzielen große Exemplare des Thunfischs, der vor allem zur Sushi-Zubereitung hochgeschätzt ist, Kilopreise von bis zu 400 Euro. Kein Wunder, dass sich nur wenige Fischer um die Einhaltung der maximalen Fangquoten schert. Experten der Umweltschutzorganisation WWF gehen davon aus, dass sich der Bestand der erwachsenen Tiere im Mittelmeer in den vergangenen 20 Jahren um mehr als 80 Prozent reduziert hat. Der WWF forderte deshalb vor Beginn der Konferenz der Kommission zum Schutz des Atlantischen Thunfischs (ICCAT) in Marrakesch im November 2008 ein absolutes Fangverbot für den roten Thunfisch. Zur großen Überraschung der Umweltschützer hatten sich mit Spanien und Japan die wichtigste Fangnation und das Land mit dem größten Absatzmarkt sogar der Forderung nach einem sofortigen Fangstopp angeschlossen. Doch die Mehrheit der Konferenzteilnehmer entschieden sich anders. Entgegen der Empfehlung der Experten, die zwecks Arterhaltung eine maximale Fangquote von 15.000 Tonnen für 2009 forderte, genehmigte die ICCAT eine Gesamtfangmenge von 22.000 Tonnen. Dabei sind die offiziellen Fangquoten ohnehin nur Augenwischerei, Umweltschützer gehen von einer viermal so hohen Fangmenge aus, die illegal an Bord geholt wird. Die Spezies steht damit vor der Ausrottung. Letzte Hoffnung ist ein Schutzgebiet für Thunfische in den gesamten balearischen Gewässern. Während Meeresbiologen bisher davon ausgingen, dass die Laichgebiet vor allem südlich von Formentera liegen, haben neueste Untersuchungen gezeigt, dass die Dichte der Thunfischlarven im gesamten Meeresgebiet der Inseln sehr hoch ist.
Ibiza: Mit der Propellermaschine auf Thunfischjagd
Francesc Alemany, Forscher beim spanischen Institut für Meeresbiologie, fordert ein absolutes Fangverbot im Meeresgebiet der Balearen. Das ist zumindest für die Fischer der Inseln kein Problem, denn es gibt in der ganzen Flotte der Balearen nicht ein einziges Boot, das auf den Fang der großen und bis zu 70 km/h schnellen Tiere spezialisiert ist. Momentan dürfen rote Thunfische von Mitte Mai bis zum 15. Juni gefangen werden. Danach beginnt ihre Laichzeit, die bis Mitte Juli andauert. Doch das Fangverbot wird auch in der Laichzeit selten eingehalten. Am Flughafen von Ibiza steht eine ganze Flotte von Kleinflugzeugen, die nur dazu da sind, die Gewässer auf der Suche nach Thunfischschwärmen abzusuchen. Sobald sie einen Schwarm gesichtet haben, informieren sie die Fischerboote über die Position der Fische. Diese Methode ist illegal, alle wissen es – unternommen wird trotzdem nichts.
Neue Geschäftsidee in Kroatien
In Kroatien hat man das Geschäft mit dem Thunfisch erst vor kurzem entdeckt. Dort werden kleine Exemplare gefangen, die dann in so genannten Mastbecken hoch gefüttert werden, bis sie ein für den Verkauf attraktives Gewicht vorweisen können. Ausgewachsene Exemplare des roten Thunfisches bringen bis zu 500 Kilo auf die Waage und sind an die zwei Meter lang. Sind die Tiere ausgewachsen, geht ein Taucher in den Becken auf Thunfischjagd. Die Fische werden mit einem zielsicheren Schuss aus der Harpune sofort getötet. Das geschieht nicht im Interesse des Tieres, sondern im Interesse der Abnehmer: Ein langsamer Todeskampf könnte sich negativ auf die Fleischqualität auswirken. Alexandra Wilms
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