Sprachmix wie in New York

Multikulti auf Mallorca: In nur einem Jahr stieg die Zahl der Ausländer um 17,2 Prozent auf 223.000 Menschen. Die Insel entwickelt sich zum kosmopoliten Modell einer globalen Welt. Manchmal fühlt man sich in Palma wie in einer Weltstadt: Beim Ein­kaufs­bummel hört man in­nerhalb weniger Stunden Fran­zösisch, Italienisch, Eng­lisch, Rumänisch, Chi­ne­sisch, zahlreiche arabische Dialekte, Deutsch und natürlich Spanisch sowie Catalán.

Und das auch in abgelegenen Stadtvierteln, denn Men­schen aus allen Län­dern kommen längst nicht mehr nur als Urlauber nach Mallorca, sondern um hier zu leben und zu arbeiten. Auch in vielen Jobs ist inzwischen Vielseitigkeit gefragt: Sekretärinnen mit sechs Sprachen in Wort und Schrift sind trotz Krise heiß begehrt. Egal ob Kellner, Mechaniker oder Arzt – fast jeder kann sich in mehreren Sprachen halbwegs verständigen. Das nationale Statistik­institut bestätigt den Ein­druck der Internationalität: 20,7 Prozent der balerischen Bürger sind Aus­länder. Von 2007 bis 2008 ist der Anteil der ausländischen Bewoh­ner um 17,2 Prozent angestiegen, insgesamt leben über 220.000 Menschen aus verschiedensten Ländern auf den In­seln. Nur knapp die Hälf­te aller Inselbewohner ist über­haupt auf den Ba­learen ge­boren. Die größte ausländische Ge­mei­nde machen nach wie vor die Deutschen aus, mehr als 33.000 deutsche Staats­bürger sind offiziell auf den Inseln gemeldet, deutlich höher dürfte die Zahl der nicht angemeldeten Deut­schen sein. Die mallorquinische Tages­zei­tung Diario de Mallorca, traditionell die Angst vor Fremden schürend, konnte es sich nicht verkneifen festzustellen, dass dies mehr Menschen sind, als ganz Marratxi an Ein­woh­nern hat. An zweiter Stelle kommen mit 22.000 Einwohnern britische Staatsbürger, gefolgt von 20.000 Marokkanern. Einen sprunghaften Zu­wachs verzeichnete die rumänische Gemeinde, in nur einem Jahr verdoppelte sich die Zahl der Einwan­derer aus dem osteuropäischen Land auf über 10.000. Die mallorquinische Insel­haupt­stadt Palma hat mit 77.330 Menschen zwar in absoluten Zahlen die meisten ausländischen Bewoh­ner, prozentual sind dies jedoch nur 19,4 Prozent aller Einwohner. Zum Stich­tag der Er­he­bung, dem 1. Januar 2008, waren auf den Inseln 42.194 Menschen mehr gemeldet als im Vor­jahr, darunter 9328 Fest­land­spanier. Ob die Zahl der Ausländer weiter wächst, ist zu be­zweifeln: Vor allem Ein­wan­derer aus südamerikanischen Ländern kehren Mallorca wegen der hohen Arbeitslosigkeit den Rü­cken und ziehen in ihre Heimatländer zurück. Viele Bauarbeiter aus Portugal und Rumänien warten seit Monaten vergeblich auf Ar­beit und fliegen angesichts der schlechten Prognosen wieder nachhause. Aber auch viele Deutsche kehren zurück in den Nor­den. Weil kaum jemand neues auf die Insel kommt, haben die deutschen Spedi­tionen ein Problem. Die Lastwagen sind auf dem Rückweg von Deutschland nach Mallorca meist leer. Doch die Not macht erfinderisch: Ein Spediteur nutzt die Leerfahrten und transportiert jetzt günstiges deutsches Brennholz auf die Insel, um es hier mit Ge­winn zu verkaufen – flexibel muss man sein!

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