Wo steckt der Zöllner?
Fliegen, das war früher mal ein Gefühl von Freiheit und Abenteuer, Glanz und Glamour. Heute ist es oft nur noch beschwerlich. Die Schuld liegt allerdings nicht bei den Fluglinien, die trotz immer günstigerer Preise meist perfekten Service bieten. Das Trauerspiel findet vor an Palmas Flughafen statt: Manch ein Reisender verbringt heute mehr Zeit in den endlosen Terminals als im Flugzeug selbst.
Sicherheit muß natürlich sein, doch wer die grimmigen Beamten sieht, dem wird schnell klar: Fluggäste gelten heute grundsätzlich als potentielle Terroristen, und so werden sie auch behandelt. Wer abfliegt, muss sich auch bei wenig Andrang wie Vieh durch die endlosen Serpentinen der Absperrgitter schlängeln. Nachdem viele weibliche Fluggäste schmerzlich erfahren mussten, dass der teure Gucci-Lippenstift als potentielle Massenvernichtungswaffe beschlagnahmt, und Mitbringsel wie Olivenöl einkassiert werden, stehen die Menschen mit demütig gesenktem Kopf in der Schlange vor der Sicherheitskontrolle. Jeder kennt die Prozedur: Hosentaschen ausräumen, Gürtel ablegen und Schuhe ausziehen und auf Socken durch den Detektor huschen. Dabei hatte der Flughafen erst vor zwei Monaten 22 Geräte für insgesamt 300.000 Euro angeschafft, welche die Schuhe ohne ausziehen durchleuchten sollten. Zur Anwendung kamen die teuren Apparate nur zwei Wochen lang. Seitdem heißt es wieder: Schuhe aus. Nach der Kontrolle folgt der lange Weg zum Gate. Dank der undurchdachten Architektur ist dieser Marathon insbesondere für Familien mit Kindern eine echte Tortur. Sitzen die Fluggäste dann nach der langen Flughafenodysee im Flieger, überlegt so manch einer, im nächsten Jahr gemütlich an die Ostsee zu fahren. Auch wer auf Mallorcas Flughafen ankommt, wird meist nicht gerade wie ein willkommener Gast behandelt. Vor allem nachts wartet man oft bis zu 30 Minuten auf sein Gepäck, sogar in der Nebensaison, wenn eigentlich kein Betrieb ist. Statt einer freundlichen Hostess des Tourismusverbands, die den Besucher auf Mallorca willkommen heisst, erwarten ihn unfreundliche Angestellte der Flughafenverwaltung AENA, die kaum der englischen Sprache mächtig sind. Schlimmer noch ergeht es Reisenden aus der Schweiz: Sie müssen nach der Ankunft in Palma erstmal vor einem in der Regel unbesetzten Schalter Schlange stehen und ausharren. Wenn sie Glück haben, bequemt sich ein Zollbeamter nach etwa zehn Minuten langsam in das Glashäuschen und kontrolliert ohne zu grüßen die Pässe. Wer am Ende der Schlange steht, wartet bis zu 30 Minuten, hat aber einen großen Vorteil: Sein Gepäck liegt vielleicht schon auf dem Band…
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