Mehr Platz am Strand:
Die Briten bleiben zuhause

Das volle Ausmaß der Wirtschaftskrise macht sich auf Mallorca erst in diesem Jahr bemerkbar: Ge­schlos­sene Geschäfte, ge­strichene Fährverbin­dun­gen, Entlas­sungen im Ho­telsektor und rückläufige Buchungs­zah­len für die Som­mer­saison machen den Winter auf Mallorca noch härter als sonst.

Mietnachlässe im Einzelhandel “Geschlossen”, “Zu vermieten” und “Abzugeben”: Die Schaufenster der Läden in Palma sind immer häufiger leer. Vor allem kleinere Läden müssen schließen, da die Inselbewohner sparsamer mit ihrem Geld umgehen. Laut José Oliver Roca, Präsident der balearischen Kammer für Immobilien­fach­wirte, sind vor allem Einzelhändler in den Haupt­einkaufsstrassen der In­sel­hauptstadt betroffen: “Die Ladeninhaber können schlicht und einfach die hohen Mieten nicht mehr bezahlen, denn der Umsatz ist in allen Bereichen außer dem Lebensmittelsektor stark rückläufig.” Nahezu alle Mieter von Ladenlokalen handeln ge­gen­wärtig mit ihren Ver­mietern neue Preise aus. Mietnachlässe von bis zu 30 Prozent sind keine Selten­heit. “Die Mieten in Palmas Innenstadt sind in den vergangenen Jahren explosionsartig in die Höhe ge­schossen. Insofern ist die Anpassung der Mieten nach unten ein normaler Vor­gang”, erklärt Roca. Neu ver­handelt werden vor allem Verträge, die in den vergangenen fünf Jahren abgeschlossen worden sind. Die Inhaber von Laden­lokalen kommen den Mie­tern entgegen, weil sie lieber wenig als gar nichts einnehmen. In den meisten Fällen ist die Mietpreis­minderung ohnehin zeitlich auf zwei Jahre begrenzt. Doch selbst mit diesen billigeren Mieten sind viele nicht in der Lage, ihr Geschäft weiter zu betreiben. Zehn bis fünfzehn Pro­zent der Geschäfte stehen nach Angaben Rocas leer, auch alteingesessene Läden müssen schließen. Relativ krisenresistent sind dagegen die großen Laden­ket­ten, die über mehr Rück­lagen verfügen als die kleinen Einzelhändler.

Schnellfähren gestrichen Dass die Konsumlust auf der Insel rückläufig ist, belegt auch die Zahl der per Schiff auf die Insel gebrachten Waren. Rund 15 Pro­zent weniger Importe vom Festland machen der Trans­portschifffahrt zu schaffen. Die Krise im Bausektor spielt hierbei eine wichtige Rolle, die Einfuhr von Baumaterialien ist um acht Prozent zurückgegangen. Auch die Passagier­schiff­fahrt verzeichnet deutliche Einbrüche von 15 und mehr Prozent. Acciona, eines der beiden großen Fährunter­nehmen, die die Insel mit dem Festland verbindet, hat seine Schnellfähren für das gesamte Jahr 2009 von Mallorca abgezogen. Die täglichen Verbin­dun­gen zum Festland sind nach wie vor gewährt, doch die Reise wird zeitintensiver. Als Kom­pensation für das Weg­fallen der Schnell­fähren, die nach Barcelona nur knapp drei Stunden brauchten, bietet Acciona jetzt verstärkt nächtliche Überfahrten an. Passagiere können so die achtstündige Überfahrt schlafend absolvieren.

Leere Betten in der Vorsaison Die allgemeine Hoffnung, die Insel könne dank des Tourismus’ von der Krise verschont bleiben, beginnt ebenfalls zu schwinden. Schon im vergangenen Jahr beklagten 60 Prozent der Hotelbetreiber hohe Ein­bußen im Vergleich zum Vorjahr, für die Vorsaison 2009 rechnen Experten mit einem noch deutlicheren Gewinnverlust. Zwar sehen die deutschen Reisever­anstalter die Buchungen für die kommende Saison positiv, doch der englische Markt macht Sorgen. Die Kurs­entwicklung des englischen Pfunds gegenüber dem Euro macht die Sommer­ferien auf Mallorca und in der ganzen Euro­zone zu einer kostspieligen Angele­genheit, viele Briten flüchten vor dem teuren Euro in Länder wie Tu­nesien oder die Türkei, oder sie verzichten in diesem Jahr ganz auf eine Urlaubs­reise. Gemeinden wie Magaluf im Südwesten und Pollen­sa im Nordosten, in denen hauptsächlich englische Tou­­ris­ten ihre bisherigen Sommer­urlaube verbracht haben, könnten es in diesem Jahr schwer haben. Denn mit ausbleibenden Touristen stehen nicht nur die Hotels leer, auch Res­taurants, Bars und Läden sind vom Rückgang der Besucher­zahlen unmittelbar betroffen. Die Arbeitslosigkeit im Hotelsektor, die schon im vergangenen Herbst auf Rekordniveau anstieg, könn­te damit weiter wachsen.

Auch Luxushotels betroffen Besorgniserregend ist auch, dass selbst große Luxus­hotels wie das Grand Hotel Son Vida von der Krise betroffen sind: Das Hotel musste mangels Reservier­ungen den ganzen Januar schließen, zahlreiche Mit­arbeiter wurden entlassen. Auch andere Hotels der gehobenen Kategorie kürz­ten ihr Personal, manche um bis zu 50 Prozent. Wie es weitergeht bleibt abzuwarten – für Februar und März hat das Hotel Son Vida nicht einmal zehn Prozent der Betten belegt. Die gute Nachricht: Im Sommer wollen die Deut­schen nicht auf ihre Reisen verzichten, wie eine Um­frage unter 2,2 Millionen Touristen belegt hat.

Alexandra Wilms

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