Kriegsgefangene an Bord

Dass die US-Armee den Flughafen von Palma für geheime Gefangenen­trans­porte in Foltergefäng­nisse benutzt hat, ist seit längerem bekannt. Doch die Amerikaner funktionierten offensichtlich nicht nur Flugzeuge zu Gefängnissen um: Auch Schiffe der US-Navy sollen verschleppte Terror­ver­dächtige transportiert haben.

Nach Angaben von An­wältin Clara Guttridge, die im Auf­trag der britischen Men­schen­rechtsorganisati­on Reprieve die CIA-Flüge von und nach Mallorca un­tersucht, sind zwei als Ge­fängnisschiffe bekannte Kreuzer der US Navy mehrmals in der Bucht von Palma vor Anker gegangen. Beson­ders pikant: Das Kriegsschiff U.S.S. Ashland hat die Insel nach Infor­mationen von Re­prieve schon im Sommer 2000 an­gesteuert, also in der Amts­zeit von Präsident Clin­ton und lange vor dem von Ge­orge W. Bush ausgerufenen “Krieg gegen den Ter­ror”. Die “William Bough”, ein ehe­maliges Handels­schiff, das die US Navy offiziell als Transportschiff benutzt, lief die Insel allein im Jahr 2005 fünf Mal an. Auf den Schif­fen, die hauptsächlich im Indischen Oze­an operieren, wurden die Ge­fangenen nach Informa­tionen von Re­prieve verhört und dann in Gefängnisse von Drittstaa­ten gebracht, in denen Fol­ter erlaubt ist.

“Wir teilen höchstens den Ankerplatz zu”

Der Direktor der mallorquinischen Ha­fen­behörde Fran­­cesc Triay gab gegenüber der Nach­richtenagentur Eu­ro­pa Press an, nichts über die Aktivitäten an Bord der Schiffe zu wissen. “Keiner von uns ist in der Position, zu bestätigen oder auch nur darüber zu spekulieren, was sich an Bord dieser Schiffe abgespielt hat”, so Triay. Die Schiffe legten in keinem der dokumentierten Fälle im Hafen an, sondern blieben stets in der Bucht von Palma vor Anker. “Wenn ausländische Mili­tär­schiffe Palma anlaufen, kontaktieren sie die spanische Marine. Unsere Behör­de teilt dann höchstens ei­nen Ankerplatz zu”, erklärte der Behördenchef. Menschenrechtlerin Gutt­rid­ge kritisierte die “Schein­heiligkeit” der europäischen Re­gierungen, die sich in ihren Augen durch bewusstes Wegsehen mitschuldig an der Verschleppung von angeblichen Terroristen ge­macht haben.

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