Horrende Strompreise schocken Inselbewohner
Mehr als 1.000 Inselbewohner demonstrierten Mitte März auf Palmas Plaza España mit Trillerpfeifen und Sprechchören gegen “Wucherpreise” und falsche Abrechnungen seitens des balearischen Elektrizitätswerkes (GESA). Der Grund: Fast alle Konsumenten bekamen diesen Winter extrem hohe Stromrechnungen. Vor der GESA-Zentrale stehen täglich entrüstete Bürger Schlange, die Service- Hotline ist fast immer besetzt. Doch das E-Werk ist der falsche Sündenbock, denn in Spanien entscheiden nicht die Zulieferer, sondern die Regierungspolitiker über die Höhe des Strompreises und legen ihn alle drei Monate für ganz Spanien fest.
Warum sind die Rechnungen plötzlich so hoch? Theoretisch kalkuliert die spanische Regierung den Strompreis anhand der zu erwartenden Kosten für Herstellung und Lieferung des Stroms. Doch bis 2007 hat die Politk die tatsächlichen Kosten ignoriert und den Strom durch niedrige Preise subventioniert, um die Wirtschaft zu fördern. Erst Mitte 2008, mit Beginn der Wirtschaftskrise, wollte die Regierung diesen Kurs nicht mehr durchhalten und berechnete den Konsumenten den tatsächlichen Preis. So stiegen die Stromkosten im Laufe des Jahres 2008 um horrende 25 Prozent an. Dazu kommen noch neue Strafsteuern für Stromfresser: Wer mehr als 500 Kilowattstunden verbraucht, zahlt für jede weitere Kilowattstunde einen Aufschlag von satten 100 Prozent. “Ich bin seit 35 Jahren im Stromgeschäft und habe noch nie so eine drastische Preiserhöhung erlebt”, bestätigt auch der Verkaufsdirektor von GESA, Salvador Guardiola Martínez. Warum hat die Preiserhöhung so lange niemanden gestört? Der Trick der Regierung: Sie hat die Preise im Sommer 2008 angehoben, als der Stromverbrauch relativ gering war und es kaum einem Verbraucher auffiel. Erst im Winter, wo der Verbrauch oft die 500 Kilowattstunden überschreitet, machte sich die Erhöhung auch im Geldbeutel schmerzhaft bemerkbar. Der hohe Preis ist für Mallorcas ohnehin angeschlagene Wirtschaft eine Katastrophe: “In den Urlaubsorten können viele kleine und große Unternehmen diese Wucherpreise nicht mehr bezahlen. Es ist unfassbar, dass die linke Regierung den Bürgern ausgerechnet in Krisenzeiten so etwas antut”, erklärt Kate Mentink. Die Rätin für Tourismus in der Gemeinde Calvià hatte vor einigen Tagen gemeinsam mit Richard Porter, Präsident der Organisation “Europeos por España”, und zahlreichen betroffenen europäischen Residenten ein Gespräch mit dem Direktorium der GESA organisiert, um nach Lösungen zu suchen. Mentink: “Wir wollen faire Strompreise ohne Strafzuschläge, jetzt!” GESA-Service-Hotline: 902 500 902
< >< >< > 