Sprachspitzel in Sportclubs
Man kommt sich vor wie in einer Diktatur: Geht es nach dem Willen der Inselregierung, sollen schon bald Spitzel in Sportclubs die ausschließliche Verwendung von Catalan kontrollieren. Subventionen erhalten dann nur noch solche Vereine und Verbände, die sich dem Sprachzwang unterwerfen. Der neue “Plan zur sprachlichen Normalisierung”, den die PSM-Politikerin Margalida Tous am 2. April zur Abstimmung vorlegt, greift tief in das Privatleben der Inselbewohner ein. Denn nachdem der Bildungssektor, also Schulen und die Universität, mittlerweile dergestalt “normalisiert” wurde, dass die Unterrichtssprache fast ausschließlich Catalan ist, will das linksnationale Regierungsbündnis dem Volk jetzt in vielen weiteren Bereichen die Regionalsprache aufzwängen: Gesundheitssektor, Justiz, private Unternehmen, Sport, Freizeit, Religion und Kunst, alles soll katalanisiert werden. Wer Castellano spricht, wird bestraft.
Ärzte, Krankenschwestern und andere Beschäftigte im öffentlichen Gesundheitsbereich laufen schon seit längerem Sturm gegen die Bestimmung, dass nur noch eingestellt wird, wer die B-Prüfung in Catalan bestanden hat. Die Konsequenzen des Sprachzwangs werden schon jetzt deutlich: Auf die letzten Stellenausschreibung für Ärzte auf den Balearen hat sich gerade einmal ein einziger Mediziner vom Festland gemeldet. Und das, obwohl schon jetzt mindestens 300 Fachärzte auf den Balearen fehlen. So haben wir im öffentlichen Gesundheitssystem bald nicht mehr die besten Ärzte, sondern die Ärzte, die am besten Catalan sprechen. Da freuen sich die privaten Krankenversicherer…
Die beiden Gewerkschaften für Beschäftigte im öffentlichen Gesundheitswesen haben deshalb zu einer Massendemonstration für den 1. April aufgerufen. Dabei haben die Sprecher beider Gewerkschaften unterstrichen, dass sie durchaus dafür sind, Catalan-Kenntnisse als Zusatzqualifikation entsprechend zu würdigen – als Einstellungsbedingung lehnen sie es allerdings entschieden ab.
Die Gemeinden auf Mallorca dürften dieser Haltung bald zustimmen, denn auch sie sollen nicht mehr selbst entscheiden dürfen, wen sie einstellen. Den Rathäusern sollen “sprachliche Berater” zur Seite gestellt werden, die in Personalfragen das letzte Wort haben werden. Noch bis in den kleinsten Winkel wollen die Catalanistas vordringen: Auch Kaffeeautomaten, Benutzeroberflächen von Computern und Webseiten dürfen nach Willen von Margalida Tous nicht mehr auf Castellano sein, und selbst das Internet-Kürzel “.es” muss durch “.cat” ersetzt werden.
Ein weiterer Bereich, der bislang vom Sprachzwang unabhängig war, ist die Kirche. Doch auch hier wollen die Politiker maßregeln: weder Religionsunterricht noch außerschulische Aktivitäten, die die Kirche anbietet, wie Sommerprogramme für Kinder, dürfen in Zukunft auf Castellano erfolgen. Selbst ein festgelegter Prozentsatz von Messen muss bald auf Catalan abgehalten werden.
Der Opposition geht der “Normalisierungs-Plan” entschieden zu weit. PP-Sprecher José Ramón Bauzá kündigte an, juristisch gegen den Plan vorzugehen, sollte er tatsächlich in Kraft treten. “Die Grundrechte der Bürger werden durch diese Einmischung in das Privatleben entschieden verletzt”, so Bauzá. Als Beispiel führte er an, dass Privatunternehmen, die den Gebrauch der Regionalsprache fördern, steuerliche Vorteile erhalten sollen. Sportclubs und Freizeitvereine, die dies nicht tun, erhalten hingegen keine Subventionen mehr. Wenn Firmen, die Personal mit Catalan-Kenntnissen bevorzugen, künftig Subventionen der Regierung bekommen, ist dies eine Verzerrung des Wettbewerbs, wie sie absurder nicht sein könnte.
Die Ankündigung von rechtlichen Schritten gegen den Plan kommentierte die Regierung mit der Aufforderung, die PP solle keinen “politischen Kampf” auf Kosten des Catalan führen. Doch nicht nur in Politik und Gesundheitswesen, sondern auch in der Kulturszene wird der Protest immer lauter. “Aufführungen auf Castellano werden zur Subkultur”, so der Direktor der Kompanie Morgana Teatre, Juan Enrique Ramón Balcells. Morgana Teatre ist zwar eine mallorquinische Gruppe, führt ihre Stücke aber auf Castellano auf. Und das stellt das Ensemble vor ernste ökonomische Schwierigkeiten. Denn Subventionen gibt es für sie nicht. Und nicht nur das: Auch die Suche nach einer Bühne wird zur Herausforderung. “In den städtischen Theatern von Artà oder Manacor dürfen wir auf Castellano nicht spielen. Das gilt auch für fast alle Theater in Palma.” Die Ausnahme bildet das Auditorium, das privat betrieben wird. Dort allerdings sind die Mietkosten nicht eben billig. Besonders bizarr: Das Stück “La Celestina”, das Morgana im März aufführte, ist einer der großen Klassiker der spanischen Literatur. “Vor allem Schulen sind an uns herangetreten und haben gebeten, das Stück noch einmal aufzuführen. Doch die Stadt Palma wollte uns nur spielen lassen, wenn wir das Stück vorher auf Catalan übersetzen”. Im spanischen Lehrplan gehört das Werk von Fernando de Rojas zur Pflichtlektüre – auf Castellano, wohlgemerkt.
< >< >< > 