Mit Comics gegen Israel

300.000 Euro hat das So­zialministerium dieser Tage ausserhalb des normalen Budgets ausgegeben. Allerdings nicht zur finanziellen Unterstützung alleinerziehender Mütter, arbeitsloser Familienväter oder hilfs­­bedürftiger Rent­ner. Son­­dern für ein kleines Co­mic­­-Heftchen, mit dem balearische Jugend­liche für den Palästina­konflikt sensibi­lisiert wer­den sollen.

Die “Sensi­bilisierung” erin­nert an Sowjet-Propaganda aus ver­gangenen Zeiten: Die gezeichneten israelischen Soldaten treten mit Stiefeln auf am Boden liegende palästinensische Zi­vil­­per­sonen ein. Den Isra­elis wird vorgeworfen, be­wusst Zivilisten zu bombardieren und ein fiktiver Deserteur erklärt, er wolle nicht mehr mutwillig Häuser von Zivi­listen zerstören. Für 150.000 Euro wurden 5.000 Exemplare des Pro­paganda-Comics gedruckt, 4.000 sollen an den Schulen der Insel verteilt werden, 1.000 stehen bei der Co­mic­messe in Barcelona zum Verkauf – der Erlös soll an Hilfs­organisationen in Pa­lästina gehen. Weitere 150.000 Euro investierte das Sozialminis­te­rium in “didaktische” In­­formationsbroschüren, die ebenfalls die Palästi­nafrage zum Thema haben und an Schulen verteilt werden sollen. Das balearische Sozial­ministerium wird von der Esquerra Unida (Vereinigte Linke) geführt. Raphael Schutz, Israels Bot­schafter in Madrid, hat die linksradikale Partei für ihr Verhalten inzwischen heftig kritisiert. Der Grund: Die Esquerra Unida kann ihre Solidarität zum paläs­tinensischen Volk bei öffent­lichen Demonstra­tionen kund­tun, darf aber nicht antijüdische Propaganda auf Kosten des Steuer­zahl­ers und im Namen einer spa­nischen Regional­re­gie­r­ung in die Schulen bringen. Zumal gerade das Sozial­ministerium in Kri­senzeiten wohl mehr als genug Prob­leme zu lösen hätte, die die Menschen auf der Insel auch tatsächlich betreffen. Doch im Umgang mit Steuergeldern ist der Fort­schrittspakt um die PSOE ohnehin äußerst freigiebig: So hat der von der Insel­regierung finanzierte katalanische Fernseh­sender IB3 (der Regional­sender mit den niedrigsten Einschalt­quoten ganz Spa­niens) die Übertragungsrechte für Formel-1-Rennen der nächs­ten fünf Jahre erworben – für sage und schreibe zwölf Milli­onen Euro Steuer­gelder. Wie zu erwarten, waren die Einschaltquoten lächerlich gering: Das erste übertragene Ren­nen schauten sich 9.000 Zuschauer an, das zweite noch ganze 8.000. Die Rennen werden nämlich auch weiterhin spanienweit auf dem Sender La Sexta übertragen, kommentiert werden sie dort von Starreporter Antonio Lo­bato – nur eben auf Castellano, nicht auf Catalan. Der Lokalsender IB3 überträgt internationale Sport­events auf Catalan und das re­gionale Sozialministerium mischt sich in die An­ge­legenheiten von anderen Staaten ein. Übt die Ba­learenregierung schon für die von einigen Koalitions­partnern ersehnte Unab­hängigkeit vom Festland?

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