Wählen mit Dirty Harry
Ich gehe am 7. Juni 2009 zur Europawahl, weil sie am 8. schon vorbei ist!”, antwortete Harald Schmidt vor wenigen Tagen auf die Frage, warum jeder Europäer an der Europawahl teilnehmen sollte. Der Moderator ist mit seiner ironisch verpackten Meinung über die (Un-) Wichtigkeit der Europawahlen nicht allein: Auf den Inseln sieht nicht einmal die Hälfte der Bürger einen triftigen Grund, an den Wahlen des Europaparlaments teilzunehmen.
Laut einer Umfrage des Centre Balears Europa beabsichtigen nur 42 Prozent der Balearenbewohner, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Auf dem Festland ist die Situation noch schlimmer: Hier wollen lediglich 21 Prozent der Wahlberechtigten zur Urne gehen. Dass die Wahlbeteiligung auf den Balearen höher ist, könnte an dem hohen Anteil von EU-Ausländern in der Bevölkerung liegen: Unter den 15.500 Inselbewohnern aus anderen EU-Staaten sind auch 4.848 Deutsche wahlberechtigt. Um wählen zu dürfen, mussten sich die Residenten zu Beginn des Jahres in die entsprechenden Wahllisten ihrer Gemeinde eintragen lassen. Politisch haben die Europawahlen auf den Balearen schon im Vorfeld für Unruhe gesorgt. Dass die PP-Vorsitzende Rosa Estaras als Kandidatin für das Europäische Parlament auf der spanischen PP-Liste steht, erfuhren vielen ihrer Parteikollegen erst aus der Zeitung. Zwar will sie der Balearen-PP auch von Straßburg aus weiterhin vorstehen, ob sie unter diesen Umständen in ihrem Amt als Parteivorsitzende der Inseln bestätigt wird, ist jedoch fraglich. Schlimmer noch: Estaras galt als Spitzenkandidatin für die kommenden Regionalwahlen. Jetzt haben die Konservativen ein ernstes Personalproblem.
Der Kandidat wurde vorher nicht gefragt
Auch die Union Mallorquina hatte versucht, interne Machtkämpfe in der Partei durch strategische Nominierungen von UM-Mitgliedern zu regeln. So sollte der ungeliebte Sportminister Mateu Cañellas diskret nach Brüssel abgeschoben werden. Dumm nur, dass der potentielle Kandidat vorher nicht gefragt wurde. Am schlimmsten traf es die Partido Socialista de Mallorca PSM: Sie konnte sich mit ihren Koalitionskollegen des so genannten “Bloc” nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen. Die PSM stellt nun keinen eigenen Kandidaten auf, Esquerra Unida-Els Verds (Vereingte Linke-Die Grünen) und Esquerra Republicana (republikanische Linke) sind mit eigenen Kandidaten auf der Liste “Europa der Völker – die Grünen” vertreten. Ob Mallorcas linksnationale Wählergemeinschaft “Bloc” unter diesen Voraussetzungen bei den kommenden Regionalwahlen eine Zukunft hat, bleibt abzuwarten.
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