Das Ende der Drogenmafia?

Es war wie im Film: Mitten in der Nacht fuhren die zwei Brüder langsam über die kaputten Stras­sen von Palmas Zigeuner­viertel Son Banya. Sie liessen den Wagen mit laufendem Motor stehen und klingelten an der Tür von Josefa Moreno Cor­tés. Mo­reno, die in Zigeu­ner­krei­sen nur La Parra­la ge­nannt wird, öffnete die Tür gerade mal einen Spalt weit, schon traf sie eine Kugel in den Kopf. Zwar brachte ihre Familie die Clan-Chefin so­fort mit ei­nem Privatauto ins Kran­ken­haus Son Llatzer, doch die Hilfe kam zu spät. Die mächtigste Drogen­händ­lerin Mallorcas starb noch in der Notauf­nahme.

Wenige Minuten später hielt das Auto mit den beiden Brüdern vor dem Kran­ken­haus. Der Mörder hatte nach der Tat mehrfach in die Luft geballert und sich beim Verstauen der Waffe versehentlich selbst angeschossen. So lagen Täter und Opfer im selben Hospital, bis die Polizei kam und den Täter sowie seinen Bruder verhaftete. Das Opfer der Schießerei ist eine Cousine der berühmt-berüchtigten Clan-Matriar­chin La Paca, die seit März 2009 eine 22jährige Haft­strafe wegen Geldwäsche absitzt. Auch aus dem Ge­fängnis heraus konnte La Paca dank diverser Fami­lien­an­gehöri­ger ihre Ge­schäf­­te (sie gilt als Drahtzieherin des Drogen­handels auf Mallor­ca) weiter betreiben. Ihre Cousine galt als Vertrauens­person der Matriarchin. Zwei Wochen nach dem tödlichen Anschlag auf die Zigeunerin führte die Polizei unter dem Namen “Oper­a­tion Spitzmaus” eine groß angelegte Razzia in Son Banya durch. Die Beamten beschlagnahmten kleinere Mengen an Drogen sowie Utensilien für deren Ver­kauf. Doch erst der Einsatz von schwerem Arbeitsgerät brach­te wirkliche Erfolge: Unter dem Beton­boden einer Hundehütte stießen die Po­lizisten auf Schmuck und Edelsteine mit einem Ge­samt­gewicht von 7,5 Kilo. Unter dem Fußboden eines Wohnhauses fanden die Beamten schließlich riesige Mengen an Geldscheinen. Ersten Schätzungen zufolge handelt es sich um mindestens vier Millionen Euro. Die exakte Summe steht noch nicht fest. Es sind so viele Scheine, dass die Beamten noch mehrere Tage zum Zählen benötigen…

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