Letzte Chance für den Tunfisch?

Köstliches Sushi, leckere Steaks: Der Rote Tun­fisch ist in der modernen Küche eine hochgeschätzte Zutat. Die Nach­frage ist allerdings so groß, dass die Fischart vom Aussterben bedroht ist. Allein in den Gewässern um die Balea­ren, die als eines der wenigen Laich­gebiete des Tun­fischs weltweit gelten, konnten französische und spanische Fischer im Jahr 2000 während der Laichzeit über 14.000 Tonnen der begehrten Fischart fangen.

Jetzt hat auch das balearische Umweltministerium die Problematik erkannt. Im November beantragte Umweltminister Miquel Grimalt (Unión Mallor­qui­na) bei der Zentralre­gier­ung in Madrid die Einrich­tung eines an die 50.000 Quadratkilometer großen Schutzgebietes für den Ro­ten Tunfisch in den südlichen Gewässern der In­seln. In diesem Gebiet soll sich der Bestand des Tun­fischs erholen können: Die Zahl der Kutter, die sich im Schutzgebiet aufhalten darf, soll streng limitiert werden, Schiffe mit einem Ge­wicht von über 20 Tonnen dürften das Gebiet überhaupt nicht befahren, und der Fang mit Schlepp­net­zen wäre verboten. Denn bei den indus­triellen Fang­methoden wird nicht nur der Tunfisch überfischt, auch andere Ar­ten wie beispielsweise die vom Aus­sterben be­droh­ten Schild­kröten werden stark de­zimiert. In dem Gebiet, dessen nördliche Begrenzung sich von der Südspitze Menor­cas bis an die Südseite Formen­teras erstreckt, pflanzen sich nicht nur rote Tun­fische fort: Auch der weiße Tun, der unechte Bonito und die Gold­makrele kommen zur Ver­mehrung in die südlichen Balearenge­­wäs­ser. Der Vor­stoß des Um­welt­minis­te­riums lässt un­ter Tier­schützern Hoffnung auf­kommen, denn die Kom­mission zum Schutz des Atlantischen Tunfischs (ICCAT) hatte auf ihrer letzten Sitzung im Novem­ber in Brasilien für Enttäu­schung gesorgt. Die Fangquote für das Mittelmeer für 2010 wurde von den Mitgliedern der Kommission auf 13.500 Tonnen festgelegt. Das sind zwar rund 6.000 Tonnen weniger als 2009, aber noch immer viel zu viel, um diesen Bestand dauerhaft zu schützen. “Das Er­gebnis der Sitzung ist völlig inakzeptabel”, so Karo­line Schacht, Fische­rei­expertin beim WWF Deutsch­land. “Die verabschiedete Fangmen­ge entspricht politischer Will­kür und hält keiner wissenschaftlichen Prüfung stand.” Die Naturschutz­or­ga­­ni­sa­tion sieht deswegen ein Handelsverbot als letzten Rettungsanker für den Ro­ten Tunfisch. Ein solches soll im März diskutiert werden. Eine am Rande des Tref­fens in Brasilien vorgelegte Stu­die war zu dem Er­gebnis gekommen, dass selbst eine Reduzierung der Fang­quote auf nur noch 8.000 Tonnen lediglich eine fünfzigprozentige Chance be­inhalte, dass das Überleben des Roten Tun­fischs ge­sichert ist. Der WWF ruft jetzt die Vertrags­staaten des internationalen Artenschutz­abkom­mens auf, sich für ein Handels­verbot und strengere Fang­quoten einzusetzen. Es wird erwartet, dass der Rote Tunfisch bei der nächsten Tagung im März 2010 in Doha in die entsprechende Kategorie der Handelsbe­schränkungen aufgenommen wird. “Die Fang­quo­ten müssen weit über das kommende Jahr hinaus re­duziert werden, ansonsten ist der Rote Tun­fisch nicht mehr zu retten”, so Karoline Schacht. “Diese Kommis­sion schützt den Roten Tun­fisch nicht, sondern riskiert sein Überleben.” Der Vor­stoß des balearischen Um­weltminis­te­ri­ums ist im­merhin ein Schritt in die richtige Richtung.

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