Urlauber allein gelassen
Das ist ja mal eine gute Nachricht!“ dachten wir Anfang 2009, als die Balearenregierung die Einrichtung eines Verbraucherschutzbüros am Flughafen ankündigte. Urlauber sollten dort die Möglichkeit bekommen, ihr Recht einzufordern, wenn Reiseveranstalter, Hotel oder Airline sich nicht an die Gesetze hielten. Schließlich wurde das Büro tatsächlich ein Jahr später eröffnet (zwar viel später als geplant, aber immerhin). Die Urlauber waren dankbar und nutzten das Angebot: Jeden Monat gab es ca. 600 Anfragen und knapp 100 offizielle Beschwerden. Doch wer im Juli dieses Jahres Rechtshilfe am Flughafen haben wollte, stand plötzlich vor geschlossenen Rollläden. Still und heimlich hat die Regierung das Büro zugemacht. Der auf Nachfrage genannte Grund: Sparmaßnahmen wegen der Krise. Die Begründung wäre verständlich, wenn die Politik konsequent in allen Bereichen sparen würde. Solange jedoch eitle Politikerinnen über 60.000 Euro an Steuergeldern für sinnlose Logos und individuelle gestaltete Fußmatten(!) ausgeben (s. Seite 8), ist die Schließung einfach nur ärgerlich.
Vor dem Gesetz sind alle UNgleich
Die drei Damen haben ihren Spaß: Lachend sitzen sie im Restaurant von Palmas teuerstem Yachthafen Club de Mar. Mit Blick auf die weißen Luxusyachten degustieren sie die exklusive Karte und zeigen den Paparazzi zufrieden ihre neue Garderobe. Eine Provokation, denn eigentlich sollte das Trio Infernale längst in Untersuchungshaft sitzen. Die ehemaligen Chefinnen der Union Mallorquina Antonia Munar und Dolça Mulet sowie deren Ex- Sekretärin Rosario Martin Piris sind wegen millionenschweren Korruptionsfällen angeklagt, doch auf freiem Fuß. Sie konnten mühelos hundertausende Euro an Kautionen hinlegen. Das selbe gilt für den balearischen Ex-Präsidenten Jaume Matas: Angeklagt wegen Korruption in mehr als zehn Fällen, hat er mal eben drei Millionen Euro Kaution hinterlegt. Ein Betrag, über den der EX-PP-Chef angesichts seiner offiziellen Einnahmen eigentlich gar nicht verfügen könnte. Bleibt die Frage, ob Matas jemals das Gefängnis von innen sehen wird. Jeder Einwanderer ohne Papiere wird schlechter behandelt als die schwerkriminellen Politiker.
Hörige Sozialisten
Stellen Sie sich mal vor, Sie sind Aktionär eines Unternehmens und stellen einen Geschäftsführer ein. Dieser Manager benimmt sich schon bald wie ein Sonnenkönig. Er ignoriert Unterschlagungen von Mitarbeitern und verweigert über Monate das Gespräch mit seinen Stellvertretern, weil er sich einmal mit ihnen gestritten hat. Das schlimmste aber: Die Firma geht langsam aber sicher pleite, weil der Geschäftsführer sich zwar hingebungsvoll seinen strategischen Scharmützeln widmet, dabei aber das eigentliche Geschäft vergisst. Kann so jemand verantwortungsvoll einen Großkonzern führen? Würden Sie seinen Vertrag verlängern? Wohl kaum.
Revolution in Alaró
Joan Simonet, der Bürgermeister von Alaró, ist ein aufrechter, korrekter Mann. Alles, was der Agraringenieur anpackt, macht er hundertprozentig perfekt. Es liegt in seiner Natur, er kann gar nicht anders. Simonet ist außerdem waschechter Mallorquiner und spricht auch fast nur Mallorquin. Warum bricht ausgerechnet dieser Mann mit den Sprachgesetzen der Inselregierung?
Partei mit Personalproblemen…
Wer ist José Ramón Bauzá? Bis vor einigen Wochen kannte den Namen auch kaum ein Mallorquiner. Der Nachwuchspolitiker ist der neue Präsident der balearischen Partido Popular, dem spanischen Gegenstück der deutschen CDU. Warum wird ein bisher eher unscheinbarer Hinterbänkler zum Chef gemacht? Ganz einfach: Alle anderen potentiellen Kandidaten sitzen entweder im Gefängnis, stehen gerade vor Gericht oder sind zumindest unter Verdacht, irgendwie in die eigene Tasche gewirtschaftet zu haben. Mallorcas Partido Popular hat ein empfindliches Personalproblem, seit die Staatsanwaltschaft die politischen Entscheidungen aus der vergangenen Legislaturperiode genauer unter die Lupe nimmt. Ob der neue Mann an der Spitze die Partei aus ihrem Tief holt, wird man sehen. Sicher ist jedoch: Bauza ist kein eitler Berufspolitiker ohne Bezug zur Realität. Der Sohn eines Berufssoldaten führt eine Apotheke in Marratxi und hat für sein Geld hart gearbeitet. Wir sind gespannt!
2.000 Euro pro PKW
Auf den ersten Blick ist es für den Konsumenten eine gute Nachricht: Rückwirkend ab dem 18. Mai gibt es auch in Spanien die Abwrackprämie. Wer in den nächsten Monaten einen Neuwagen kauft und ein mindestens zwölf Jahre altes Gebrauchtfahrzeug verschrottet, bekommt 2.000 Euro vom Staat geschenkt. Doch ist die Prämie wirklich ein Geschenk? “Vom Staat” klingt nach Geld aus fremden Taschen und läßt uns leicht vergessen, dass es sich bei dem Geld um unsere Steuern handelt. Diese werden nun großzügig umverteilt, obwohl die spanische Staatskasse seit der Banken- und der Immobilienkrise nicht nur leer, sondern mit Rekordschulden belastet ist.
Wo ist die Regierung?
Die Zahlen sind erschreckend: In den ersten drei Monaten dieses Jahres gab es auf den Inseln 89 Prozent mehr Arbeitslose als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das sind exakt 52.400 Menschen mehr, die Monat für Monat vor dem Arbeitsamt Schlange stehen. Mit einer Arbeitslosenquote von 19,73 Prozent liegen die Balearen an dritter Stelle in ganz Spanien, obwohl die Inseln dank des Tourismus’ im Vergleich zu vielen anderen Regionen einen nicht zu leugnenden Standortvorteil haben. Was unternimmt die Politik, um der rasanten Talfahrt entgegenzutreten? Nicht viel. Man ist in der Sechs-Parteien-Koalition vor allem mit sich selbst beschäftigt: Wenn Nationalisten und Kommunisten zusammen in einer Regierung sitzen, gibt es wenig Gemeinsamkeiten. Kaum eine Entscheidung kann getroffen werden, ohne dass eine Partei mit dem Austritt aus der Regierung droht. Selbst der Bau eines Krankenhauses oder Golfplatzes stürzt die Regierung jedes Mal in existenzielle Krisen. Die Folgen der Uneinigkeit sind dramatisch: Bevor die Minister sich streiten, treffen sie lieber gar keine Entscheidung. Wer nichts unternimmt, verärgert auch den Partner nicht. Konsens durch Stillstand lautet das Prinzip unserer Regierung. Was bleibt dem Volk? Hoffen auf den Sommer. Viele Urlauber mit vollen Brieftaschen könnten die Krise locker bewältigen – wenn sie denn kommen.
Wie wird der Sommer?
Nach dem schlechten Winter mit geschlossenen Luxushotels und vielen Entlassungen stellen wir uns die bange Frage: Wie wird der Sommer? Sicher ist, auch dieses Jahr werden wir wieder volle Betten haben. Hoteliers melden steigende Buchungszahlen und Fincavermieter äussern sich zufrieden. Auch die Yachtvermieter glauben an eine gute Saison.
Jetzt Schnäppchen jagen
Man traut sich kaum, es auszusprechen. Aber in der Krise liegt auch eine Chance. Für Menschen, die gerade ihren Job verloren haben, ist der Gedanke verständlicher Weise provokativ und unangebracht. Aber tatsächlich spürt man auf der Insel gerade einen ungewohnt frischen Wind: Luxushotels locken nicht nur mit günstigen, sondern auch gut durchdachten Sonderangeboten und Restaurants veranstalten “All you can eat”-Partys mit einem sensationellen Preis-/Leistungsverhältnis. Sogar die Regierung wird plötzlich innovativ und organisiert diesen Winter gleich mehrere Konzerte der Extraklasse, um Kultururlauber anzulocken.
Ideologie statt Werbung
Glaubt man Calviàs Bürgermeister Carlos Delgado, regt sich jetzt auch bei spanischen Reiseveranstaltern Widerstand gegen die nationalistische Sprachpolitik der Balearenregierung. Die beiden Marktführer Iberojet und Soltur haben sich angeblich bei Tourismusminister Miquel Nadal über die zunehmend katalanischsprachige Tourismuswerbung beschwert.
Warten auf den Sommer
Blickt man auf das gesamte Jahr 2008 zurück, war es gar nicht so schlecht: Im Sommer meldeten alle Hotels vollbelegte Betten. Auch Fincas, Yachthäfen und Restaurants waren ausgebucht. Selbst als die ersten Krisenmeldungen in der Zeitung standen, war es für den Großteil der Bevölkerung eher ein Leiden auf hohem Niveau als echte Entbehrung. Erst in den letzten zwei Monaten merkte man, wie Ernst die Lage für viele große und kleine Unternehmen wirklich ist.
Die Kakaobüchse
Gäbe es auf Mallorca ein Unwort des Jahres, wäre 2008 sicher La caja de colacao (“Die Kakaobüchse”) der Favorit. Die Ex-Chefin des Konsortiums zur Förderung balearischer Produkte Antonia Ordinas (PP) hat in ihrer Amtszeit vor allem eines gefördert: ihr persönliches Vermögen. Die von der Politikerin kassierten Bestechungsgelder hat die Staatsanwaltschaft jetzt in ihrem Garten ausgegraben.
Volksinteresse?
Die jüngsten Ereignisse haben Symbolcharakter für die tragische Entwicklung des Wassersports auf den Balearen: Der Club Nautico von Mahón hat die Konzession für die Betreibung des Yachthafens nach über 30 Jahren an ein Privatunternehmen verloren. Der Grund: Die gewinnorientierte Firma konnte der staatlichen Hafenbehörde mehr bezahlen als der gemeinnützige Verein und bekam prompt den Zuschlag.
Fliegen wird teurer
Wenn es wahr ist, was der Spiegel in seiner jüngsten Ausgabe schreibt, findet schon Ende dieses Jahres eine neue Marktbereinigung auf dem Markt der Billigfluglinien statt. Nachdem die Übernahme der Condor durch Air Berlin Anfang Juli geplatzt ist, werden die Karten neu gemischt: Lufthansa, TUI und Thomas Cook wollen ihre drei Billigfluglinien Condor, TUIfly und Germanwings zu einem neuen Giganten am Himmel zusammenfügen. Werden sich die Partner handelseinig und hat das deutsche Bundeskartellamt keine Einwände, könnte die Vereinigung schon zum Jahreswechsel stattfinden.
Tourismuswerbung:
Marroko macht es besser
Es ist wahrlich nicht leicht, Marokko als das ideale Urlaubsparadies zu verkaufen: Die Armut ist erschütternd, überall wird man betrogen und die Preise sind auch längst nicht mehr so niedrig wie einst. Einen billigen Urlaub kann man in dem afrikanischen Land nur noch machen, wenn man wirklich auf jeden Komfort verzichtet und verhandelt wie ein Wüstensohn.
Arbeitsplätze retten
Angesichts der bitteren Ironie, tut einem die linksnationale Balearenregierung schon fast ein wenig leid: Einst kämpfte das Zweckbündnis aus acht(!) Parteinen in der Opposition jahrelang gegen neue Wohnhäuser, klagte über ausländische Spekulanten und wollte möglichst jeden Neubau blockieren. Doch einmal an der Macht, wurde die Koalition von der Realität schnell eingeholt. Bereits vor einigen Monaten haben die Sozialisten überraschend dem Neubau von Sozialwohnungen auf landwirtschaftlicher Nutzfläche erlaubt und damit die gesamte Koalition gefährdet. Jetzt fördert die Regierung die Bauunternehmer auch noch mit Zuschüssen in Höhe von 900 Millionen Euro. Die Angst vor dem Druck der Straße und dem massiven Verlust von Arbeitsplätzen ließ die Koalition Wahlkampfversprechen und Ideologie verdrängen. Vor allem für Arbeitnehmer im Tourismussektor ist das eine gute Nachricht.
Die bösen Urlauber
So, so, die Urlauber und die Reichen sind mal wieder schuld an dem Untergang der Balearen: Die Luxusyachten mit ihren Ankern und die Pauschalurlauber mit dem Sand in den Schuhen zerstören angeblich den Strand von Es Trenc. Auch die Golfplätze benötigen wieder viel zu viel Wasser. Und überhaupt: Jeder Urlauber, der Mallorca per Flugzeug besucht, verbraucht durchschnittlich 45 Liter Kerosin, erklärt mal wieder ein Lokalblatt.
Patienten in Not
Es war noch nie leicht für Ärzte, ihre Forderungen mit einem Streik durchzusetzen. Wenn in anderen Berufszweigen gestreikt wird, vergammeln ein paar Tomaten, Züge stehen still oder der Briefkasten bleibt leer. Wenn Mediziner streiken, besteht dagegen schnell das Risiko, die Gesundheit von Patienten zu schädigen. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Patienten des spanischen Gesundheitssystems ohnehin meist Monate auf wichtige Operationen warten müssen. Das Recht auf Streik darf man den Ärzten der Seguridad Social trotzdem nicht absprechen. Ihre Forderung nach höheren Stundenlöhnen für Nachtschichten und Feiertagsdienst erscheinen angesichts der extremen Arbeitsbelastung berechtigt. Doch die Öffentlichkeit darf zumindest erwarten, dass die Ärzte den Ausstand so schonend wie möglich für die Patienten austragen. Das Chaos wäre unnötig gewesen.
Sex-Skandal in der "Wäscherei Miele"
Große schwarze Lettern, viele Ausrufezeichen: “Der Skandal des Jahres”, titelten die mallorquinischen Zeitungen über den Fall Rodrigo de Santos. Vielleicht ist das Jahr noch etwas zu jung, um jetzt schon den Superlativ auszurufen. Nichts desto Trotz ist der Fall des vermeintlich braven PP-Politikers erstaunlich. Ein Anhänger der ultrareligiösen Legionäre Christi, der sich als Bürgermeister weigerte, homosexuelle Paare zu trauen, verkehrt nachts auf Kosten der Steuerzahler mit Callboys und schaut sich sodomistische Videofilmchen an. Die Titelgeschichte hätte sich Hollywood nicht besser ausdenken können.
Doppelmoral - Zumwinkel und die überraschten Politiker
Deutsche Politiker und Medien geben sich seit einigen Wochen gerne überrascht: In Lichtenstein liegt Schwarzgeld? Deutsche Bankiers beraten ihre Kunden über Nummernkonten in der Schweiz? Die plötzliche Empörung über die massenhafte Steuerhinterziehung ist heuchlerisch. Jedermann mit etwas Erfahrung weiss, dass Steuerhinterziehung heute von vielen Menschen nur noch als Kavaliersdelikt angesehen wird.
Wie am Stammtisch...
War die Äußerung des Ministers Antoni Pascual ausländerfeindlich oder einfach nur unbedacht? So oder so: Mit seiner Erklärung, die zahlreichen Ausländer auf Mallorca hätten wegen ihrer alten Autos und ihrer Unkenntnis der mallorquinischen Fahrweise Mitschuld an den vielen Verkehrstoten, hat der Politiker mal wieder unterstes Stammtischniveau erreicht.
"DDR ohne Mauer" - Westerwelle soll mal in Spanien arbeiten
Macht Guido Westerwelle jetzt auf Möllemann oder meint er seine Aussage wirklich ernst? Im Rahmen der Debatte über den Mindestlohn erklärte der FDP-Politiker Mitte Dezember, die Einführung des Mindestlohns sei “wie DDR ohne Mauer” und rief laut: “Das ist eine der folgenschwersten Entscheidungen gegen die soziale Marktwirtschaft”.
Heisse Luft
Vor vier Monaten verkündete die Regierung stolz die unangenehme Nachricht: In Zukunft seien alle Ladenschilder auf Katalan zu verfassen und der Einzelhandel gesetzlich verpflichtet, katalansprechendes Personal einzustellen. Zwar wurde das Linguistik-Gesetz tatsächlich verabschiedet, doch um es auch wirklich durchzusetzen, fehlte der linksnationalen Regierung (zum Glück) der Mut.
Katalan-Wahn
Wer in der Welt der klassischen Musik lebt, begibt sich seit Jahrzehnten auf ein internationales Pflaster: Auf Premierenfeiern in London, New York, Zürich, München oder Berlin hört man Japanisch, Koreanisch, Englisch und Deutsch genauso wie Spanisch oder Italienisch. Selbst im kleinen Symphonieorchester der Balearen musizieren Musiker aus mindestens acht verschiedenen Nationen.
Wahlversprechen...
Vor den Kommunalwahlen im vergangenen Mai gab sich Mallorcas nationalistische Linke noch tolerant: Wenn er die Wahlen gewinne, versprach der Bürgermeister von Esporles Miguel Ensenyat (PSM) den ausländischen Mitbürgern, gebe es selbstverständlich auch kostenlose Spanischkurse.
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