Spanien befreit 52 Kubaner
Der spanische Außenminister Miguel Ángel Moratinos hat gemeinsam mit dem Erzbischof von Havanna, Jaime Ortega, die Freilassung von 52 politischen Häftlingen aus kubanischen Gefängnissen erreicht. Bei einer Reise in den sozialistischen Inselstaat Anfang Juli vermittelte der Außenminister in einem Gespräch zwischen Staatschef Raúl Castro und Erzbischof Ortega und erreichte so die Zusage des Regimes, 52 der insgesamt 75 Dissidenten freizulassen, die 2003 im so genannten „Schwarzen Frühling“ einer Verhaftungswelle zum Opfer gefallen waren.
Schnell zahlen, viel sparen
Notorische Verkehssünder können sich freuen: Vor einigen Wochen ist in Spanien das neue Verkehrsgesetz in Kraft getreten. Die erst 2006 eingeführte Punkte-Regelung für spanische Führerscheinbesitzer wird wieder abgeschwächt. Laut Innenminister Alfredo Pérez Rubalcaba wurde das Gesetz mit dem Ziel geändert, den “verantwortungsbewussten Autofahrern, also der großen Mehrheit”, Vorteile einzuräumen. Dabei schien die Punkte-Regelung gut zu funktionieren: In den letzten fünf Jahren habe sich die Zahl der Verkehrstoten um die Hälfte reduziert, so Rubalcaba.
Der unbequeme Held
Baltasar Garzón ist ein mutiger Mann. Als der spanische Untersuchungsrichter einen Haftbefehl gegen den chilenischen Diktator Augusto Pinochet erließ, während der Rest der Welt die Verhältnisse in Chile ignorierte, gelangte der Spanier zu weltweiter Bekanntheit. Aber auch in seinem eigenen Land scheute Garzón keine Konfrontationen: 2008 setzte er sich zum Ziel, den Opfern des Franco-Regimes wenigstens nachträglich Gerechtigkeit zukommen zu lassen. In einer groß angelegten Untersuchung ließ der Richter Massengräber öffnen, um die dort verscharrten Leichen identifizieren zu können.
Masturbieren auf Staatskosten
Spaniens Bischöfe haben es dieser Tage nicht gerade leicht: Sie sehen ihren Einfluss auf Volk und Politik zunehmend schwinden. Die Kirchen sind leer. Kaum jemand hört noch ihre mahnenden Worte. Mediale Aufmerksamkeit erhalten die Kirchenvertreter nur noch mit einer drastischen Wortwahl. So ließ sich der Madrider Weihbischof Juan Antonio Martínez Camindero im November dazu hinreißen, den gewählten Parlamentsmitgliedern zu drohen: “Wer für das neue Abtreibungsgesetz stimmt, macht sich der Todsünde schuldig” und verliere das Recht, die heilige Kommunion zu empfangen.

Indios und Spanier im Streit
Am 12. Oktober feiert Spanien den Dia de la Hispanidad, und so manch’ Kastilier gedenkt ein wenig wehmütig dem vergangenen “Reich, in dem die Sonne niemals untergeht”. Warum? Am 12. Oktober 1492 entdeckte Columbus Amerika und machte Spanien, das sich große Teile des neuen Kontinents als Kolonien sicherte, somit zum Weltreich. Rund um den Nationalfeiertag gibt es eine ganze Reihe von Wissenswertem und Anekdoten: Tatsächlich war es nicht Columbus selbst, der als erster Land erblickte, sondern ein Matrose namens Rodrigo de Triana. Der heute als Wiederentdecker Amerikas gefeierte Columbus wusste zu seinen Lebzeiten auch gar nicht, dass er einen neuen Kontinent entdeckt hatte, er ging bis zu seinem Tod 1506 davon aus, eine Inselgruppe vor Indien erreicht zu haben (bis heute heißen die Inseln in der Karibik deshalb “Westindische Inseln”).
Haftbefehl für Bush & Co?
Vor diesem Mann zittern die Mächtigen der Welt: Der Untersuchungsrichter des obersten spanischen Strafgerichtshofes Baltasar Garzón ist ein umtriebiger Mann, dessen Gerechtigkeitssinn nicht an den Landesgrenzen endet. Das liegt vor allem daran, dass die spanische Verfassung die Verfolgung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit auch außerhalb Spaniens erlaubt. In den meisten Staaten ist dies nur möglich, wenn ein Staatsbürger des eigenen Landes Opfer solcher Verbrechen wird.
Robin Hood der Banken
Robin Hood der Banken”, wird Enric Duran in der spanischen Presse genannt. Der aus einem Vorort von Barcelona stammende Aktivist sorgt seit September letzten Jahres für Schlagzeilen. Damals hatte er öffentlich verkündet, was er die vergangenen beiden Jahre so getrieben hatte: Nämlich Banken plündern. Allerdings nicht mit Waffengewalt, sondern ganz offiziell.
Monaco stoppt Tunfisch-Fang
Der Blauflossen-Tunfisch im Mittelmeer wird, wenn sich nichts ändert, bis zum Jahr 2012 ausgerottet sein. Zu diesem Ergebnis kommt der WWF nach Analyse der Populationsbestände und der vorhandenen Zahl an fortpflanzungsfähigen Tieren. Die Fangsaison für den Blauflossen-Tunfisch im Mittelmeer wird traditionell Mitte April eingeläutet. Zu der offiziellen Fangquote kommt nach Angaben der Umweltschützer eine stetig steigende Dunkelziffer an illegalen Fängen. Zwar hat die EU kurzfristig die Fangsaison um zwei Wochen verkürzt, doch damit wird die Jagd auf Tunfisch trotzdem noch in der Laichsaison, die im Mai beginnt, stattfinden.
Die Basken wollen Frieden
Es war ein historischer Moment für Spaniens junge Demokratie: Bei den Regionalwahlen am 1. März verlor die Partido Nacionalista Vasco (PNV) zum ersten Mal seit 1980 ihre absolute Mehrheit im Regionalparlament des Baskenlandes. Es scheint, als seien sogar die Radikalsten unter den Basken der Gewalt in Spaniens nördlichster Provinz überdrüssig. Erstmals erfuhren die baskischen Linksnationalen in exakten Zahlen, wie weit ihr Einfluss wirklich geschwunden ist.
81 Werke von Dalí gefunden
Pünktlich einen Tag vor dem 20. Todestag von Salvador Dalí, Spaniens bekanntestem Surrealisten, hat die Polizei im südspanischen Estepona mindestens zwölf gestohlene Werke des Künstlers gefunden. Bereits Anfang Januar hatten die Beamten im Hotel Kempinski in Estepona insgesamt 81 angeblich von Dalí stammende Arbeiten sichergestellt. Die Werke, unter anderem Lithografien, Skulpturen, Textilien und Reliefs, waren in dem Hotel von einem Franzosen zum Verkauf ausgestellt worden. Unter anderem wollte der Mann die drei Meter hohe Skulptur eines Elefanten für 1,2 Millionen Euro verkaufen.
Handzeichen sind riskant
Kennen Sie die Situation? Sie führen ein nettes Gespräch mit einem spanischen Bekannten und treten unbewusst einen Schritt zurück. Ihr Gesprächspartner rückt daraufhin näher. Nochmals versuchen Sie, Abstand zu gewinnen, aber Ihr Gegenüber macht erneut einen Schritt auf Sie zu. Die Ursache: Nord- und Südeuropäer halten im Gespräch gewohnheitsmäßig unterschiedliche Abstände zueinander ein.

Bargeld für ein Eigentor
Während die deutsche Bundesliga mit dem Bestechungsskandal um Schiedsrichter Robert Holzer ihren Sündenfall bereits erlebt hat, war vergleichbares (zumindest offiziell) in Spanien bisher nicht bekannt geworden. Doch nun hat auch die Primera Division, die erste Bundesliga in Spanien, ein ernstes Problem mit der Glaubwürdigkeit.
Wohin mit den Erntehelfern?
Sie kauern in Eingängen von Banken, schlafen in Parkhäusern und bedecken sich mit Kartons, um sich vor der Kälte zu schützen: In Jaén, der Hauptstadt des spanischen Olivenöls, leben afrikanische Erntehelfer seit jeher unter menschenunwürdigen Bedingungen.
Schluß mit Telefon-Spam!
“Manchmal schäme ich mich richtig für meinen Job”, gesteht Sol Hernandez. Die Südamerikanerin arbeitet in einem Call-Center bei San Sebastian. Ihr Job: Neue High-Speed-Internetanschlüsse für eine namhafte Telefongesellschaft verkaufen. “Perdon, le gustaría ahorrar dinero?” (Wollen Sie Geld sparen?) fragt sie mit charmanter Stimme – am anderen Ende der Leitung knallt der Hörer auf die Gabel. Seit Stunden schon erträgt Sol die Beschimpfungen und Flüche. “Ehrlich gesagt verstehe ich die Leute, auch wenn ich nur meinen Job mache. Die Arbeit ist nicht mein Traumberuf, aber ich kriege nichts anderes.”
150.000 Leichen bis heute vermisst
Mitten in der Nacht wurde er aus dem Gefängnis geholt, vor die Tore der Stadt gebracht, erschossen und in einem Loch verscharrt: Der spanische Dichter Federico Garcia Lorca ist das bekannteste Opfer der Verbrechen, die Franco und seine Getreuen im Herbst 1936 an den verhassten “Linken” verübten. Diese Verbrechen, unmittelbar nach dem Putsch gegen die demokratische gewählte Regierung der Republikaner verübt, sollen nun endlich aufgeklärt werden. Der spanische Untersuchungsrichter Baltasar Garzón, der durch seinen vor zehn Jahren ausgestellten Haftbefehl gegen den chilenischen Diktator Pinochet über Spaniens Grenzen hinaus bekannt wurde, hat jetzt die Untersuchung der Massaker zwischen 1936 und 1945 angeordnet.
Grundrecht auf Abtreibung
Erst im August hatten sich der spanische Ministerpräsident José Luis Zapatero (PSOE) und der Vorsitzende der spanischen Bischofskonferenz, Kardinal Antonio Rouco Varela, zu einem klärenden Gespräch getroffen. Klärungsbedarf gab es tatsächlich, denn die katholische Kirche hatte die Parlamentsentscheidungen zur Homo-Ehe und der so genannten “Express-Scheidung” heftigst kritisiert.
Sex ohne Anfassen
Wenn die Zigeuner aus der Altstadt von Sevilla gute Laune haben, verwandeln sich die staubigen Gassen in Sekunden zum Festplatz: Zwei Männer spielen Gitarre, einer singt dazu. Wobei es eigentlich mehr ein Jammern als ein fröhliches Trällern ist. Der schmerzverzerrte Gesichtsausdruck des Sänger erweckt den Anschein, als würde er eine Geschichte erzählen. Und das tut er tatsächlich.
Teurer als Deutschland
Trotz Krise: Spaniens Hauptstadt Madrid bricht immer noch alle Rekorde, was die Immobilienpreise angeht. Die teuerste Wohnung Spaniens wird im Viertel Castellana, im herrschaftlichen Stadtbezirk Salamanca, angeboten und kostet 9 Millionen Euro. Es handelt sich um ein spektakuläres Penthouse von 307 Quadratmetern in der sechsten Etage eines der modernsten Gebäude Madrids. Die Wohnung ist eine Maisonette mit drei Schlafzimmern und Badezimmern, jeweils einer Terrasse in jeder Etage und Swimmingpool.
Vier Störfälle in zwei Tagen
Ein Unglück kommt selten allein: Innerhalb von gerade mal 48 Stunden kam es in vier der acht spanischen Atomkraftwerke (AKW) zu Störfällen. Die beiden AKWs Vandellos und Cofrentes haben innerhalb von zwölf Tagen sogar jeweils bis zu sechs Störfälle gemeldet.
474.360 arme Kinder in Andalusien
Hohe Kinderarmut und niedrige Geburtenraten: Spaniens Familienpolitik muss moderner werden, doch die katholische Kirche wehrt sich. Bereits seit über einem Jahr brodelt der Konflikt zwischen der katholischen Kirche und der sozialistischen Regierung von Ministerpräsident Zapatero. Insbesondere die Legalisierung der Eheschließung homosexueller Paare wird von Spaniens Bischhöfen als familien- und kirchenfeindlich beschimpft.
Blondes Erbgut besonders begehrt
Fast jeden Tag sieht man die Anzeigen in der spanischen Presse: “Eizellenspenderinnen gesucht”. Hinter den schlicht gehaltenen Annoncen verbirgt sich für viele Frauen, darunter auch immer mehr Deutsche, die letzte Hoffnung auf den Traum vom eigenen Kind. Denn was in Deutschland gesetzlich verboten ist, wird in Spanien tagtäglich praktiziert. Auch für Sabine K. (Name von der Redaktion geändert) hat sich auf diese Weise ihr sehnlichster Wunsch erfüllt. Die junge Mutter strahlt über beide Ohren, der kleine Junge in ihren Armen schläft selig. “Ich habe schon nicht mehr daran geglaubt, dass ich tatsächlich eines Tages mein Kind in den Armen halten werde.“
Grosse Pläne in Madrid
José Luis Rodríguez Zapatero ist jetzt auch offiziell zum zweiten Mal spanischer Ministerpräsident. Zur Amtsübernahme (Investidura) genügte ihm bei der zweiten Abstimmung im 350 Sitze umfassenden spanischen Parlament die einfache Mehrheit seiner 169 sozialistischen Abgeordneten. Gegen Zapatero stimmten die 154 Abgeordneten der spanischen Volkspartei (PP), die drei Parlamentarier der katalanischen Linksnationalisten (ERC) sowie die PSOE-Aussteigerin Rosa Díez. Zapatero ist damit der erste demokratisch gewählte Regierungschef Spaniens, der erst im zweiten Wahlgang vom Parlament gewählt wurde.
Neue Regierung:
Wer darf mitspielen?
Nach der strahlenden Wahlnacht hat für den alten und aller Voraussicht nach auch neuen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero die nicht einfache Suche nach einem Bündnis oder Tolerierungspartner begonnen. Zapateros PSOE verfügt im neuen Kongress über 169 Abgeordnete. Damit ist Zapateros Partei genau sieben Stimmen von der erforderlichen absoluten Mehrheit entfernt.
Stierkampfpflicht für Ausländer?
Deutliche Worte: “Das ist Schall und Rauch mit fremdenfeindlichem Beigeschmack“. Mit dieser Stellungnahme kritisierte Innenminister Alfredo Pérez Rubalcaba das neue Zuwanderungskonzept der oppositionellen Volkspartei, welches PP-Spitzenkandidat Mariano Rajoy am vergangenen Mittwoch in Barcelona vorgestellt hatte. Demnach müsse jeder Einwanderer einen “Integrationsvertrag” mit dem spanischen Staat abschließen. Darin soll er sich nach dem Willen der PP verpflichten, “die Gesetze zu beachten, die Bräuche zu akzeptieren, die Sprache zu lernen und wie alle anderen auch die Steuern zu bezahlen”.
Spaniens Aussenpolitik:
Hassliebe zu Südamerika
Als Venezuelas Präsident Hugo Chávez im November 2004 zum Staatsbesuch nach Madrid kam, stellte er fest, dass er „nie zuvor so in Spanien empfangen wurde“. Seine Freude über das neue Verhältnis zu der sozialistischen Regierung von Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero wollte sich Chávez auch von unangenehmen Fragen der Journalisten nicht nehmen lassen. Angesprochen auf die Anschuldigungen gegen die Vorgängerregierung von José María Aznar, sie habe den kurzzeitigen Sturz von Chávez im Jahr 2002 unterstützt, antwortete der Linkspopulist mit einem Lied und sang: “Die Zeitungen von gestern, die liest man nicht.”
Erster Mord seit elf Monaten
Schauplatz des Attentats war der französische Teil des Baskenlandes, genau genommen der Urlaubsort Capbreton in der Nähe von Bayonne. Der Anschlag ereignete sich am 1. Dezember gegen 9:30 Uhr: Die beiden Beamten der spanischen Polizei (Guardia Civil), Raúl Centeno Ballón (24) und Fernando Trapero Blázquez (23), verließen gerade die Cafeteria “Les Ecureuilles” im Zentrum der Stadt, wo sie eine Gruppe ETA-Angehöriger observieren sollten.
"Wieso nicht auch Marokko?"
Der Vorsitzende der katalanischen Partei UDC Josep Antoni Duran i Lleida spricht über die Türkei, Marokko und die neue Rolle Spaniens in der Mittelmeerregion.
Nazi-Vergleich im Parlament
Der Plan der Regierung von Ministerpräsident Zapatero, die aktive Sterbehilfe zu legalisieren, führte in den vergangenen Jahren ein Schlummerdasein. Zwar hatte die PSOE das Thema in ihrem Wahlprogramm 2004 aufgenommen, doch stellte es sich als zu pikant und brisant heraus, als dass ein Kompromiss hätte gefunden werden können. Die Regierung verfolgte daher ein stilles Begräbnis für die umstrittene Thematik. Doch ausgerechnet der treue Tolerierungspartner der Regierung, die Linkspartei IU, hob die aktive Sterbehilfe mit einem parlamentarischen Antrag wieder auf die politische Tagesordnung.
Zum Siegen verurteilt...
Sieben Minuten. Dies war die Zeit, die Spaniens Partido Poular (PP) ihrem Vorsitzenden stehenden Applaus gewährte. Sieben Minuten, die über die lähmenden Querelen und Grabenkämpfe der letzten Wochen hinwegtrösten sollten. Sieben Minuten, die der Nation signalisieren sollte, dass die Konservativen bereit sind, mit ihrem frisch gebackenen Spitzenkandidaten Regierungsverantwortung zu übernehmen. Niemand hatte es zuvor gewagt, PP-Generalsekretär Ángel Acebes zu widersprechen, als dieser die entscheidenden Worte sprach: “Ich ernenne Mariano Rajoy Brey zum Kandidaten der PP für das Amt des Ministerpräsidenten” und anschließend hinzufügte: “Gibt es jemanden, der sich der Stimme enthalten möchte?”. Damit war ohne formellen Wahlgang aus dem Oppositionsführer Rajoy der Spitzenkandidat Rajoy geworden.
Weniger Flüchtlinge
Am Abend steigt Rot-Kreuz-Mitarbeiterin Isabel Saranto erleichtert von ihrem Aufsichtsturm am Strand von Lanzarote: “Zum Glück wieder ein Tag ohne Boote. Dieses Jahr kommen viel weniger Flüchtlinge hier an.” Tatsächlich wurden seit Anfang des Jahres nur knapp über 6.000 afrikanische Immigranten gezählt, nicht einmal ein Drittel so viel wie im gleichen Zeitraum 2006.
2500 Euro pro Baby
Windeln, Babynahrung, Kleidung, Kinderwagen – ein neuer spanischer Erdenbürger macht sich im Budget seiner Eltern oft deutlich bemerkbar. Denn im Gegensatz zu Deutschland unterstützte der spanische Staat frischgebackene Eltern bisher nur, wenn diese bedürftig oder ohnehin schon kinderreich waren. Erst ab dem dritten Nachkommen konnten sich die Eltern bisher über gerade mal 450 Euro pro Jahr freuen, arme Familien wurden mit lächerlichen 291 Euro pro Jahr und Kind unterstützt.
Nationalhymne:
Spanien sucht den Text...
Wenn zu sportlichen Ereignissen die spanische Nationalhymne ertönt, dann hat kaum ein iberischer Sportler Schwierigkeiten mit dem Text – denn es gibt keinen. Spanien ist eines der wenigen Länder, deren Nationalhymne lediglich aus einer Melodie besteht. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr waren die Spanier die einzig von 32 Mannschaften, die stumm ihrer Hymne lauschte. Dabei gehört der “Königsmarsch”, wie die Hymne offiziell heißt, zu den ältesten Europas.
EU beendet Handy-Wucher
Gegen den Widerstand von Spanien und Italien hat die EU günstigere Gebühren für Handygespräche im Ausland durchgesetzt. Doch die Verordnung bleibt ein Kompromiss.
Im Tunnel nach Afrika
Von Spanien nach Marokko in 25 Minuten – was heute noch Zukunftsmusik ist, könnte in zwanzig Jahren bereits Realität sein. Ingenieurbüros in Spanien, Marokko, Italien und der Schweiz arbeiten mit Hochdruck an einem der ehrgeizigsten Bauprojekte Europas: Einem unterseeischen Eisenbahntunnel vom spanischen Tarifa nach Tanger, Marokko. Auf einer Strecke von 38,7 Kilometern, davon 27,7 Kilometer unter dem Meer, sollen zwei eingleisige Eisenbahntunnel sowie ein Versorgungstunnel durch das Sediment gegraben werden. Die Reisezeit zwischen den beiden Kontinenten betrüge dann 25 Minuten.
Kampf der Magersucht
Die traditionellen Modeschauen während der Madrider Fashion-Messe Cibeles begannen im Februar mit einer kleinen Sensation: Fünf Models wurden wieder nach Hause geschickt – weil sie zu dünn waren. Um im Kampf gegen die Magersucht ein Zeichen zu setzen, hatten sich die Organisatoren darauf geeinigt, Models mit der imaginären Größe “Null” nicht auf die Laufstege zu lassen. Besagte Größe entspricht einer 32 – und damit den Maßen einer Zwölfjährigen.
Giftobst aus Spanien
In jeder zweiten spanischen Paprikaprobe (12 von 23) wurde das hochgefährliche Insektengift Isofenphos-Methyl gefunden, das in der EU nicht zugelassen ist. Greenpeace vermutet, dass es in großen Mengen aus China illegal nach Spanien eingeschleust wurde.

Gewalttätige Senioren
Ein Senat wie ein Tollhaus, wütende Proteste sowie Handgemenge auf den Straßen und eine wüste Grundsatzdebatte, in der kaum einer noch auseinanderhalten konnte, was Wahrheit und was Dichtung ist. Spaniens Innenpolitiker glichen in den letzten Wochen mehr einer Gruppe streitender Kinder auf dem Spielplatz, als seriösen Staatsmännern. Auslöser für diesen Ausnahmezustand: Ein abgemagerter, dem Tod näher als dem Leben stehender Terrorist, dem vom Präsidenten erlaubt wurde, die letzten anderthalb Jahre seiner Haft in Hausarrest zu verbüßen. Rund um die Uhr streng bewacht, versteht sich.

Zuckerbrot und Peitsche
Spanien gibt Millionen für die Sicherung der Grenze nach Afrika aus. Gleichzeitig lockt die Regierung mit Amnestien immer mehr Flüchtlinge an – Im ersten Morgengrauen laufen die Patrouillenboote im Hafen von Teneriffa aus. Ihr Ziel: die Küste vor Westafrika. Ihre Mission: Erspähen von Flüchtlingsbooten, und zwar am besten noch bevor diese anlegen. Zur gleichen Stunde betreten auf dem Madrider Flughafen vom Schlafmangel blasse Schwarzafrikaner in Plastikhandschellen ein Flugzeug, dass sie zurück in ihr Heimatland bringen soll – zurück in die Armut und die Hoffnungslosigkeit, aus der sie geflüchtet waren.
Leise rieselt der Schnee
Auch ohne Minusgrade feierten viele spanische Haushalte “weiße Weihnachten”: Zur Hochsaison um die Festtage gingen Drogenexperten von einem Anstieg des Konsums von über 30 Prozent aus – so erträgt man auch die Familie gleich viel leichter… Tatsächlich ist Spanien in Sachen Kokain im europäischen Vergleich einsame Spitze: Aus keinem anderen Land wird so viel des weißen Pulvers in die EU eingeführt wie aus Spanien, und kein Volk konsumiert im Verhältnis zur Gesamteinwohnerzahl so viel wie die Iberer.

Sport ist Mord
Die Spanier machen mit am wenigsten Ausdauersport, sind aber unter den glücklichsten Bürgern Europas – ein Schelm (oder Sportmuffel), wer böses dabei denkt. Das sogenannte Eurobarometer, das im Auftrag der Europäischen Kommission europaweite Umfragen und Studien veröffentlicht, bringt es ans Licht. Bei einer Umfrage zu den Themen psychische und physische Gesundheit gaben über 70 Prozent der Iberer an, sich im vergangenen Monat “glücklich” und “lebensfroh” gefühlt zu haben.
Gepflügter Grund
Seit dem Morgen hängen zwei Greenpeace-Aktivisten in einem Grundschleppnetz auf dem Gelände der spanischen Botschaft in Berlin. Das Banner am Netz trägt die Aufschrift “Spanien: Tiefsee-Zerstörer!” Die Umweltschützer protestieren gegen die Blockadehaltung Spaniens bei den UN-Verhandlungen für ein Sofortverbot der Grundschleppnetz-Fischerei auf der Hohen See. Das vorläufige Ende der zerstörerischen Fischerei mit riesigen Netzen ist gerade Thema auf der Generalversammlung der Vereinten Nationen (UN) in New York.

Der Stier feiert Geburtstag
Nicht nur jeder Spanier, auch fast jeder Europäer kennt ihn. Er gehört zu den meistfotografierten Markenzeichen der Welt: der Osborne-Stier. Das Symbol des gleichnamigen Brandy-, Sherry- und Wein-Produzenten feiert in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag. 1956 vom Designer Manolo Prieto entwickelt, avancierte der Stier in den vergangenen fünf Jahrzehnten zum Wahrzeichen der spanischen Nation.
Schwule Soldatenhochzeit
In den Galauniformen der spanischen Luftwaffe gaben sich Alberto Linero Marchena und Alberto Sanchez Fernandez Mitte September das Ja-Wort – und Spanien hatte sein erstes schwules Soldatenehepaar. Die gleichgeschlechtliche Hochzeit im traditionell besonders konservativen Militär bewegte die nationale und internationale Presse. Doch trotz homophober Kommentare innerhalb der eigenen Kompanie haben die beiden den Schritt in die Ehe gewagt.
Flüchtlinge: Jetzt kommen
die Kinder
Mit lauten Getöse kreisen die Flugzeuge des Seenotrettungsdienstens über der Küste Gran Canarias. Ein großes, kaum noch seetüchtiges Holzboot ist einige Meilen vor der spanischen Insel gesichtet worden. Am Strand bereiten Mitarbeiter des Roten Kreuzes sowie einige Polizisten alles für dessen Ankunft vor. Sie sortieren trockene Anziehsachen, legen warme Decken zurecht und stellen Essen sowie Getränke bereit. Das in Seenot geratene Schiff soll bereits seit mehr als einer Woche aus Afrika unterwegs nach Spanien sein. Urlauber, die gerade noch ihre Körper der strahlenden Sonne ausgesetzt haben, werden zu Sanitätern für die Fracht: 28 Flüchtlinge aus dem Senegal.
Immer mehr Brandstifter
Weinend steht der alte Mann auf dem Stück Land, das bis Anfang August sein Zuhause war. Das Wohnhaus, der Garten, die Schaukel für die Enkel – alles ist den Flammen zum Opfer gefallen. “Und dabei dachten wir, dass es dieses Jahr nicht so schlimm kommen würde, dass das neue Gesetz helfen würde.”
Bürgerkrieg:
Enttäuschte Opfer
978 Tage und weit über 600.000 Tote – das ist die Bilanz des Spanischen Bürgerkrieges, dessen Beginn sich am 18. Juli zum 70. Mal gejährt hat. Der Guerra Civil, der im Juli 1936 mit einem Putsch des Militärs gegen die Regierung in Madrid begann und drei Jahre später in der Diktatur Francos endete, ist bis heute ein heikles Thema in Spanien. Problematisch ist vor allem, dass während des Bürgerkrieges beide Seiten grauenhafte Verbrechen und Massenhinrichtungen begingen – die Faschisten ließen 80.000 Menschen erschießen, die Republikaner revanchierten sich und richteten über 50.000 Franquisten hin.
Drakonische Strafen für Autofahrer
Während in Flensburg die Devise “Je weniger, desto besser!” gilt, müssen Spaniens Autofahrer seit 1. Juli darauf bedacht sein, möglichst viele Punkte zu behalten. Denn der große Unterschied zum deutschen Punktesystem liegt darin, dass jeder Autofahrer ab sofort über ein Guthaben an Punkten verfügt.
Flüchtlinge: Die
perfekten Arbeiter
Glücklich sieht der Kapitän der Kanarenfähre nicht aus, während er gesteht: “Ich halte gar nicht mehr an, wenn ich ein Flüchtlingsboot sichte. Wir informieren die Küstenwache und fahren weiter”. Namentlich genannt werden will er deshalb auch lieber nicht.
Spanien bricht Kioto-Protokoll
Sie sind Täter und Opfer zugleich – in Sachen Klimapolitik schneiden sich die Iberer ins eigene Fleisch. Denn auf der einen Seite steigt der Kohlendioxid-Ausstoß wie in keinem anderen Land der Welt, auf der anderen Seite ist Spanien auch als eines der ersten Länder deutlich vom daraus resultierenden Klimawandel betroffen: Von 1970 bis zum Jahr 2000 ist die Durchschnittstemperatur um 1,5 Grad gestiegen.
Jagd auf die Piratenfischer
Fast 150 Stunden haben Greenpeace-Aktivisten, darunter mehrere Spanier und ein Umweltschützer aus Hamburg, auf den Masten und Kränen des Kühlschiffes “Binar 4” ausgeharrt, das illegal gefangenen Fisch geladen hat - dann erklärten die spanischen Behörden nach einer Woche endlich, die rund 200 Tonnen Fisch zu beschlagnahmen.
Schwarzgeld: Häufung
von 500 Euro-Noten
José Maria Peláez ist wütend: “Hier in Spanien will einfach niemand wirklich mit der gewaltigen Schattenwirtschaft und Steuerhinterziehung Schluß machen.” Peláez ist der Präsident der spanischen Vereinigung der Steuerfahnder (APIFE) - er muß es wissen.
40 Prozent weniger Lohn
Dass ausgerechnet in Spanien ein Mann an der Macht ist, der sich selbst als “bekennenden Feministen” bezeichnet, wird so manchen Macho bitter schmerzen. Dementsprechend laut fiel der Aufschrei unter den Herren der Schöpfung bei Ministerpräsident Zapateros neuestem Gesetzesentwurf zur Frauenförderung aus: Eine Quotenregelung für Frauen in Vorstandsposten und Parteiämtern? Unmöglich! Das können die doch gar nicht!
Gefängnis für Raser
Sollten die Pläne des spanischen Straßenverkehrsamtes DGT Wirklichkeit werden, bräuchte das Land in Zukunft doppelt so viele Gefängnisse wie bisher. Denn die Vorschläge zur Reform des Strafgesetzbuches, die bereits beim Justizminister eingereicht sind, sehen geradezu martialische Strafen für Verkehrssünder vor: Wer mit mehr als 1 Promille Alkohol im Blut gestoppt wird, dem droht in Zukunft eine Haftstrafe von drei bis sechs Monaten.
Bar auf die Hand
Die Passagiere aus China waren bei ihrer Ankunft am Flughafen von Málaga bestens vorbereitet: In jedem Pass lagen die 50 Euro für die Guardia Civil bereit. Schließlich hatten die Verwandten, die bereits an der Costa del Sol arbeiteten, extra angerufen und sie informiert: Jeder solle die 50 Euro an der Zollkontrolle zur Hand haben. Damit es keinen Ärger gibt.

Kredite für Schulbücher
Das Bild vom Wohlstand in Spanien ist trügerisch, denn das Land lebt zunehmend auf Pump. Zum Schuljahresanfang werden Kredite für den Kauf der Schulbücher und -uniformen aufgenommen, selbst Weihnachtsgeschenke lassen sich in großen Kaufhäusern problemlos in Raten bezahlen. Viele Familien finanzieren ihr gesamtes Leben auf diese Weise: Wohnung, Auto und die Stereoanlage gehören eigentlich der Bank.
Bei Anruf abkassiert
Die Frauenstimme klingt verführerisch: “Herzlichen Glückwunsch! Sie haben in unserer neuen Lotterie einen unserer vier Hauptpreise gewonnen!“ Danach folgt die Aufforderung, den Preis – wahlweise Kreuzfahrten, schicke Autos oder hohe Geldbeträge – durch einen einfachen Anruf bei der Lotteriezentrale zu beantragen.
Strafen für Verschwender
Schlechte Zeiten für Stromverschwender: Die spanische Regierung plant eine Geldstrafe für zu hohen Energieverbrauch. Wer mehr als 650 Kilowatt pro Stunde im Monat verbraucht, soll nach einem Vorschlag des Ministeriums für Industrie, Tourismus und Handel eine Strafgebühr von 1,3 Cent pro zusätzlicher Kilowattstunde bezahlen. Doch auch wer Energie spart wird 2006 etwas tiefer in die Tasche greifen müssen.
Wenn die Regierung schummelt...
Politik ist überall gleich: Auch in Spanien werden Wahlversprechen nur gelegentlich gehalten. Eine Reform des spanischen Bildungssystems, das war eines der großen Versprechen des sozialistischen Ministerpräsidenten Zapatero. Doch das neue Bildungsgesetz (“LOE” oder “Ley Orgánica de Educación”) lässt die Sozialisten nun in der Wählergunst auf ein nie gekanntes Tief absinken. Massendemonstrationen in allen Großstädten und Schülerstreiks beherrschen schon seit Wochen die spanischen Medien. Denn statt mehr Geld für die Bildung auszugeben, soll die Bildungsmisere einfach mit niedrigeren Anforderungen an die Schüler kaschiert werden.
Keine Einigung
Seit über dreihundert Jahren belastet eine kleiner Felsen die Beziehungen von Spanien und Großbritannien. Auch das Treffen auf Mallorca brachte keine Lösung.
Tourismus: Paella zum halben Preis
Die Balearen sind bei ausländischen Urlaubern nur noch die zweitbeliebteste Region Spaniens. Wer hat uns geschlagen? Überraschenderweise die Catalanen.
Umfrage: Die Deutschen
bleiben auf Mallorca
Weil Mallorca so teuer geworden sei, würden viele deutsche Residenten die Insel verlassen, erklärte das “Diario de Mallorca” im September. Stimmt nicht: Die Zahl der Umzüge ist gesunken.
Besser spät als nie
Francos Opfer fordern Gerechtigkeit: Spaniens Justiz soll endlich Francos Helfer verurteilen und die Opfer entschädigen. Doch viele Richter schauen weg. Anders als in Deutschland, gab es in Spanien nie eine juristische Aufarbeitung der Diktatur und auch keine Entschädigungen für die Opfer der Franco-Diktatur: In der ungewissen Zeit nach Francos Tod vor 30 Jahren war der Blick in die demokratische Zukunft dringlicher als die Bewältigung der Vergangenheit. Man versuchte zu vergessen: Nur im Konsens mit Militär und Franquisten konnte König Juan Carlos das Land zur Ruhe bringen.
Siesta y Fiesta!
Heimlich haben wir unsere Gastgeber schon immer beneidet: Während die Deutschen von Zukunftsängsten geplagt werden, genießen viele Spanier das Leben in vollen Zügen. Trotz vorhandener Krisenstimmung geben die Spanier fast die Hälfte ihres Budgets für Freizeitvergnügen aus.

Weiter Streit um die Homo-Ehe
Der Streit um die Homo-Ehe entzweit das katholische Spanien: Zahlreiche Bürgermeister weigern sich, gleichgeschlechtliche Ehen zu schliessen. Jetzt bittet Spaniens katholische Kirche sogar um den Beistand des Königs - das spanische Staatsoberhaupt soll seine Unterschrift verweigern und das Gesetz dadurch in letzter Sekunde kippen.
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